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Home Page : News : ALLGEMEIN : Rückblick auf das Kinojahr 2006
(Till Kadritzke - 02.01.2007) - DAS JAHR IN LISTEN Rückblicke und Ausblicke sind immer wieder beliebt zum Jahresende. Zwar haben wir nun bereits den Jahresanfang, dennoch lohnt es sich vielleicht, die wichtigsten Entwicklungen des vergangenen Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen. Und da unsere Filmkritiken ja schon so wunderbar ausformulierte Texte sind, wollen wir unseren Rück- und Ausblick einmal in etwas anderer Form gestalten. TOP 5 Fangen wir an mit den positiven Entwicklungen des Jahres 2006. Worüber konnte man sich freuen und was lässt für die Zukunft hoffen?
Neue Töne
Spike Lee dreht mit Inside Man einen lupenreinen Mainstream-Film, der sich als einer der intelligentesten Genre-Stücke der letzten Jahre entpuppt und in Silent Hill lernen wir, dass Horror-Filme tatsächlich auch Atmosphäre haben können – wenn in diesem Fall auch nicht viel mehr als das. Einige Überraschungen konnte das Kinojahr also doch bieten. Oder wer hätte gedacht, dass Martin Scorsese mal ein Remake dreht und den Film auch noch in Boston spielen lässt? Frische Ideen Auch 2006 musste man nach den kleinen Independent-Perlen suchen, wurde schließlich aber doch fündig: David Slade hat mit Hard Candy ein beklemmendes Kammerspiel-Drama inszeniert, das zum Nachdenken anregt, Michel Gondry lässt seiner Kreativität mit dem bezaubernden Science of Sleep freien Lauf und Rian Johnson macht mit dem cleveren Brick das gute alte Noir-Genre einem jüngeren Publikum schmackhaft. Wir freuen uns auf die nächsten „Independents“. Der politische Mensch Hollywood entdeckt das Polit-Kino wieder. Stephen Gaghan gelingt mit seinem Episodenfilm Syriana eine konstruktive Überforderung des Zuschauers und George Clooney ist mit Good Night, and Good Luck nicht nur ein atmosphärisch dichter Schwarz-Weiß-Film gelungen, sondern ein beinahe dokumentarisch aufklärerisches Stück über eine allzu oft vernachlässigte Episode amerikanischer Nachkriegsgeschichte. Clooneys Kumpel Steven Soderbergh arbeitet zur Zeit übrigens an einem Epos über Revolutionsführer Che Guevara... Schauspielkunst Auch 2006 begeisternd: Die Bandbreite von großartigen „Performances“. Angefangen von der beeindruckenden Arbeit von Laiendarstellern wie Rinko Kikuchi in Babel über die berührenden Darstellungen von zukünftigen Stars wie Abbie Cornish (Candy) oder Ellen Page (Hard Candy) bis zu den genialen Momenten mit den bereits etablierten Größen Jack Nicholson und Leonardo DiCaprio in Scorseses genialem Departed: Große Schauspieler auf der Kino-Leinwand ziehen ihr Publikum wie eh und je in ihren Bann.
Das Weltkino
Wenn Hollywood mal schwächelte, gab es immer Alternativen und das Ausland stopfte mal eben das Sommerloch – ob mit Filmen aus Ländern der dritten Welt wie Tsotsi (Südafrika), Water (Indien) und Moolaadé (Senegal) oder intensiven europäischen Dramen wie Caché von Michael Haneke oder Requiem von Hans-Christian Schmid. Auch bezeichnend, dass das witzigste Kino-Erlebnis des Jahres kein Film aus den USA, sondern über die USA ist: Borat besitzt schon jetzt Kultstatus. Und der beste Film des Jahres Babel spielt an rund um den Globus verteilten Schauplätzen und wurde in fünf verschiedenen Sprachen gedreht. Es lebe die kulturelle Vielfalt des Kinos! FLOP 3 Natürlich gab es auch 2006 einige Entwicklungen, die weniger schön waren. Hoffen wir, dass sie nicht zum Trend werden. Fehlende Komik Komödie kommt von komisch! Leider gab es auch 2006 wieder einige Komödien, bei denen es erschreckend still war im Kino-Saal. Da gehörte die äußerst mittelmäßige Trennung mit Hindernissen noch zu den besseren Vertretern. Über die missglückten „Komödien“ Zum Glück geküsst oder Mein verschärftes Wochenende sollte man nicht mehr diskutieren müssen. Am lustigsten wird es doch immer noch, wenn die Amerikaner sich selbst aufs Korn nehmen. So gehören die Satiren American Dreamz und Thank You For Smoking zu den besten Genre-Vertretern des Jahres.
Fortsetzung folgt...
Hollywood, du warst auch schon einmal kreativer. Fluch der Karibik 2, Mission: Impossible 3, Ice Age 2, X-Men 3, Final Destination 3, Superman Returns und das sind nur die Fortsetzungen, an die man als erstes denkt. Die genannten Filme waren in einigen Fällen zwar unterhaltsam, funktionierten aber stets nach den immer gleichen Formeln. Der Preis für die unnötigste Fortsetzung eines erfolgreichen Films geht in diesem Jahr an Basic Instinct 2. Folgen jetzt Return to Casablanca, Titanic Resurrection oder gar Der vierte Mann? Marketing und Overhype Selbst das prestigeträchtige Filmfestival von Cannes hat in diesem Jahr munter mitgemischt beim Vermarkten der großen Blockbuster. Da wurde die uninspirierte Verfilmung eines uninspirierten Romans mal eben als Eröffnungsfilm vorgeschlagen und durchgesetzt, wahrscheinlich ohne den Da Vinci Code überhaupt gesehen zu haben. Denn auch der Presse wurde das „Meisterwerk“ bis einen Tag vor der Veröffentlichung vorenthalten. Von den Gründen für dieses Verhalten konnte man sich im Kino dann selbst überzeugen. TOP MOVIES Natürlich ist die folgende Liste rein subjektiv. Da viele der genannte Filme allerdings bereits auf DVD erschienen sind oder bald erscheinen werden, ist hoffentlich die ein oder andere Anregung für lange Winternnächte dabei. Starten wir den Countdown! 10. GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK – George Clooney Ein wichtiges und interessantes Stück über die McCarthy-Ära, außerdem ein atmosphärisch wunderbar dichtes Schwarz-Weiß-Kammerspiel. Hut ab, Mr. Clooney! 9. CHILDREN OF MEN – Alfonso Cuarón Zwar trüben einige Schwächen des Drehbuchs den Filmgenuss, inszenatorisch hat der Mexikaner Alfonso Cuarón mit seiner Zukunftsvision aber Großes vollbracht. Ein keineswegs perfekter, aber wichtiger und mutiger Film. 8. ME AND YOU AND EVERYONE WE KNOW – Miranda July Miranda Julys origineller und witziger Episodenfilm ist in den deutschen Kinos etwas untergegangen und verdient definitiv ein Comeback auf DVD. 7. REQUIEM – Hans-Christian Schmid Ein weitaus ehrlicheres Stück Kino als das preisgekrönte Leben der Anderen. Sandra Hüllers Darstellung des Exorzismus-Opfer Michaela ist fast schon beängstigend gut. 6. VOLVER – Pedro Almodóvar Sicherlich nicht der beste Film des spanischen Meister-Regisseurs, aber ein wunderbar verspielter und farbenfroher Film, in dem Penélope Cruz endlich einmal zeigen kann, was für eine fabelhafte Schauspielerin sie doch ist.
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