AOL / Nullsoft vergeudet Frankelmotor
03.06.2003 | Von Gregor Lawatscheck
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Der Kreativtrieb des Winamp-Erfinders Justin Frankel ist nicht wirklich aufhaltbar, wie nun nach vier Jahren Zusammenarbeit auch Mutterfirma AOL zu spüren bekommt. Ende Mai erschien auf nullsoft.com kurzfristig ein neues Kommunikationsprogramm zum dezentralen und verschlüsselten Chat- und Datenaustausch namens WASTE. Wie schon bei Gnutella vor drei Jahren dauerte es keine zwei Tage, bis AOL das Projekt als unautorisiert bezeichnete und entfernen lies. Der Windows-Installer sowie komplette Source-Code unter der GPL Open Source Lizenz standen allerdings lange genug zum Download, um nun von einer Masse an Spiegelservern ersetzt zu werden. Nach dem Austausch von kryptographischen Publickeys zwecks Autorisation ermöglicht WASTE privaten Arbeitsgruppen von bis zu 100 Nutzern, Daten und Nachrichten auch um Firewalls herum, im Transfer auf alle Teilnehmer verteilt zu tauschen.
Kontrovers ist nun sowohl, ob AOL das Recht hat, ein bereits unter der GPL veröffentliches Programm plötzlich zurückzuziehen, als auch, inwieweit dies mit dem Arbeitsvertrag von Frankel vereinbar ist. Ferner bleibt unklar, wieso genau WASTE von AOL verhindert werden sollte. Bei anderen Nullsoft-Programmen unter Open Source Lizenz wie dem Installationsprogramm-Generator NSIS, dem verschlüsselten Notepad SafeSex oder dem Netwerktransferprogramm mit Geschwindigkeitsbegrenzung NSCopy hatte AOL jeweils keine Bedenken anzumelden. In gewisser Weise steht WASTE in Konkurrenz zu AOL's Messengerprogrammen AIM und ICQ und ist natürlich auch an Gnutella bzw. dem ehemaligen Buddy-Tauschtool AIMster angelehnt. Laut Justin Frankel's privater Homepage stellt das Schreiben von Programmen für ihn eine Selbstverwirklichung dar, die er nicht länger durch AOL eingeschränkt sehen will. Er wisse allerdings noch nicht genau, in welcher Form er AOL verlasse. Eventuell könnte eine Lockerung seines Vertrages, welcher wohl eine übliche Wettbewerbsverzichtklausel beinhaltet und jegliches geistiges Eigentum AOL zuspricht, bereits eine Deeskalation des schon länger schwehlenden Konflikts herbeiführen. Im schlimmsten Fall aber verließe Frankel Nullsoft und AOL, um wie er schreibt "Zeit für etwas anderes" zu nutzen. Falls Frankel Nullsoft wirklich verlasssen sollte, ergeben sich ganz neue Optionen für die Zukunft von Winamp. Winamp 3 könnte wie zuletzt eigentlich in der Form nicht mehr geplant durch Brennan Underwood in als Chefprogrammierer weitergeleitet werden. Andererseits könnte auch K-Jöfol Ex-Programmierer Francis Gastellu die 2.x-Serie weiterführen. Schon länger war vermutet worden, dass Justin Frankel bei Nullsoft aussteigen möchte. Zuletzt als er sich desillusioniert mit der Entwicklung von Winamp zeigte und sich dann durch Winamp 2.9x doch noch mal für das von ihm gestartete Projekt motivieren konnte. Kurioses am Rande: Winamp 2.92 soll soweit fertiggestellt sein und dürfte samt CD-Ripper-Plugin unabhängig der momentanen Umstände erscheinen. |
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