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Home Page : News : ALLGEMEIN : Vom CD-Kopierschutz zum Kontroll-Chip für den PC
(MPeX.net/gpel - 16.01.2003) - In einer Pressekonferenz verkünden die Branchenverbände der Phono-, Software- und Computerwirtschaft (RIAA, BSA, CSSP) nun gemeinsame Wege im Kampf gegen Raubkopien zu gehen und dabei auf technische Kopiersperren bei CDs, ja sogar DVDs verzichten zu wollen. Da fragt sich doch ganz unverblümt: Woher der plötzliche Sinneswandel? Hat man endlich eingesehen, dass ein Kopierschutz auf Audio-CDs nicht effektiv ist, den ehrlichen Käufer benachteiligt und vielmehr für Abspielprobleme und Qulitätsminderungen sorgt? Vielleicht. Als neue Strategie interpretiert die Presseagentur AFP fadenscheinig, dass die Produktpiraterie nun mit Appellen an die Verbraucher bekämpft werden soll. So sprechen amerikanische Internet-Magazine gleich von einer Entspannung im Kampf gegen Raubkopierer. Bei genauerem Studieren der Pressemitteilung spricht RIAA-Geschäftsführerin Hilary Rosen von "Vollstreckung, Bildungsarbeit und technischen Lösungen". Die Appelle an die Konsumenten sind also eher ein kleiner Teilbereich der neuen Strategie. Ruhe vor dem Sturm also? Man darf davon ausgehen. Die Privatkopie soll also weiterhin möglich bleiben, aber bitte in einer geschützten Umgebung. Was der Secure Digital Music Initiative (SDMI) in den vergangenen mittlerweile fünf Jahren nicht gelungen ist, soll nun mit vereinten Kräften sämtlicher gewollt oder ungewollt digitalen Industrien unter dem Dach einer "vertrauenswürdigen Computerplattform" (TCPA) bewerkstelligt werden. Die von Intel geführte Initiative soll in Zukunft verhindern, dass der Anwender an seinem Computer manipulieren kann. Bislang ist jeder Kopierschutz daran gescheitert, dass jede Software in einer Weise veränderbar war, dass der Kopierschutz nicht mehr griff. Durch TCPA sollen solche Eingriffe der Vergangenheit angehören. Ein Schelm, wer vermutet es handle sich hierbei um eine Initiative, die existiere, um den Computer sicher vor dem Anweder zu machen. Softwareunterstützung für TCPA heisst bei Microsoft intern Palladium und dürfte im XP-Nachfolger Windows 2004 Codename Longhorn verfügbar sein. Hardwareseitig sollen neue Computer mit einer Überwachungs- und Meldekomponente (Fritz-Chip) ausgestattet werden, die sowohl Hardware also auch Software auf Unversehrtheit überprüft. Neue Komponenten müssten im Betriebssystem per Online-Verbindung zertifiziert werden. Bedeutet dies etwa die Einführung des Mod-Chips für den PC? Wie bei den Spülmaschinen-Waschmitteln steht die Industrie auf mindestens zwei Phasen-Systeme: In der ersten Phase lässt sich vielleicht noch etwas zwischen Fritz-Chip und Prozessor zwischenlöten, ist das TCPA-System in Phase zwei im Prozessor selbst verankert, wird es beachtlich schwieriger. Bereits die nächste Generation der Pentium 4 Prozessoren namens Hexium sollen derart ausgerüstet sein, aber auch TCPA-Mitglied AMD wird in diesem Bereich wohl nachziehen. Auf geschichtliche Vergleiche zur Wunderwaffe der Nazis anno 1944 verzichten wir jetzt einfach mal. Man darf sich vielleicht trotzdem fragen, ob der im Netzjargon getaufte Fritz-Chip wirklich nach US-Senator Fritz Hollings benannt ist. Den vielleicht treffendsten Vergleich lieferte die Unterhaltungsindustrie schließlich 1979 selbst, mit dem Film Star Wars V "Das Imperium schlägt zurück". Auf eine kleine geschichtliche Anekdote soll trotzdem nicht verzichtet werden: Das Wort Palladium entstammt dem griechischen palladion bzw. Pallas. Pallas Athene wiederum ist die Schutzgöttin von Troja, deren Personifizierung als Statue die Sicherheit von Troja sicherstellen sollte. Dass Troja den Spiess nun umdreht ist paradox genug. Ob den zukünftigen Versionen von Windows nicht auch so einige von Jedi-Rittern gesattelte Pferde ins Haus stehen werden, sei doch mal gefragt. Nun mag mancher in TCPA / Palladium den endgültigen Siegeszug von OpenSource-Betriebsysstemen wie Linux oder BSD sehen. Sollte sich in einer späteren Phase der Fritz-Chip nicht mehr abschalten lassen, so wären Betriebssysteme, die Monopolisten wie Microsoft sowieso ein Dorn im Auge sind, akut in Gefahr. Die an der Thematik interessierten Benutzer sollten genau hinschauen, welches Linux die Bundesregierung auf ihren Servern einsetzt und auf was für Zusätze sie umrüstet, wenn "trusted computing" Realität werden sollte. Wie ein c't Bericht glänzend erläutert, arbeitet HP an einer Version von Linux, die TCPA-Konform sein soll. Zwar muss diese unter der General Public License (GPL) jedem kostenlos als Quelltext zugänglich sein, doch die bei der Zertifizierung erstellten Geheimschlüssel behält HP und kann den Zugang dazu teuer verkaufen. Ob "trusted computing" zur abschaltbaren Pentium-III Seriennummer verendet oder nicht, entscheidet maßgeblich der Protest und die Bedenken der Benutzer, die sich in Ihrer Freiheit eingeschränkt sehen. Es wäre eine abscheulich schöne neue Welt, in der per Gesetz nur Computer-Hardware verkauft werden darf, die TCPA-lizenziert ist und in dem ein "offenes" Betriebssystem ebenfalls nur dann auf solcher Hardware läuft, wenn ein passender Schlüssel dafür erworben worden ist. Damit es rechtlich soweit nicht kommt, werden sich Lobbyisten freier Softwareinitiativen in nächster Zeit intensiv mit dem Thema beschäftigen. Politiker sind ja eigentlich gewählte Volksvertreter, was ungefähr soviel heisst wie: Wenn sich genug Wählerstimmen damit fangen lassen, würde sich eine Partei auch gegen TCPA stellen. Im Interesse der Freiheit kann nur gehofft werden, dass die Einführung in Deutschland nicht genau zwischen zwei Bundestagswahlen fällt. "Das ist ja das Geile an der Demokratie", würde mancher sagen, aber ob das "auch gut so" ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Vielmehr sollte die gesellschaftliche Akzeptanz, Künstler und Produzenten für ihre Arbeit zu bezahlen, von dieser Demokratie gefördert werden. Das geht, wie schon in der AFP-Meldung angedeutet, am besten über Bildung und Vermeidung eines Umfeldes, das Trotzreaktionen hervorruft. DISKUSSION (Beiträge: 5)
Hallo, bin gerade auf dieses Topic gestoßen und hätte noch einpaar Ergänzungen. Auf der WinHEC... RE: Vom CD-Kopierschutz zum Kontroll-Chip für den PC Ehrlich gesagt nehm ich lieber Open Office unter Debian als "Becker Text", so doll waren die Zeiten ... RE: Vom CD-Kopierschutz zum Kontroll-Chip für den PC Ja, HALLOOOO erst mal! Ich denke, da haben's einige noch nicht gemerkt. Hallo! Aufwachen!!! Von w... Re: Vom CD-Kopierschutz zum Kontroll-Chip für den PC druff jeschissen. habe noch genug alte hardware auf lager und die werde ich auch gut aufheben und ge... Re: Vom CD-Kopierschutz zum Kontroll-Chip für den PC sie sollen ihre s.......se nur so weiter loslassen wir haben ja schlieslich auch das antivirus. ...
» c't Der versiegelte PC - Was steckt hinter TCPA und Palladium? » Trusted Computing Platform Alliance » Pressemitteilung "Recording, Technology Industries Reach Groundbreaking Agreement on Approach to Digital Content Issues"
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