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Home Page : News : ALLGEMEIN : Liquid Audio gibt auf
(MPeX.net/gpel - 12.12.2002) - Das Platzen der New-Economy-Blase hat deutlich gemacht, dass an der Börse nur einige, ganz grosse wirkliche Chancen zum Überleben haben. Die Anderen werden aufgekauft, gehen pleite. Dies gilt auch für die digital Audio Branche. Eine Pleite der anderen Art hat nun Liquid Audio angekündigt. Zum 20. Dezember werden die Anteile aller Aktionäre für 2,50 Dollar zurückgenommen und die Firma somit aufgelöst. Noch 1999, vor der New-Economy-Wende, sah Liquid Audio als eines der technisch chancenreichsten Unternehmen im Markt aus. Liquid Audio war dabei unter dem gleichen Namen eine geschütze Formathülle, die sowohl mit dem hochwertigen Format AAC und RSA-Verschlüsselung gearbeitet hat. Dafür gab es sowohl einen eigenen Windows-Player, als auch später Plugins für Winamp. Allerdings ist aus dem breitflächigen Musikvertrieb in den letzten drei Jahren wenig geworden und auch der Umschwung zum reinen Serviceunternehmen für Logistik zur digitalen Musikdistribution Anfang diesen Jahres und eine geplante aber gescheiterte Fusion mit Alliance Entertainment konnte den Verfall des Unternehmens nicht aufhalten. Noch im Oktober hatte Liquid Audio die wichtigsten seiner Patente zur digitalen Musikdistribution für sieben Millionen Dollar an Microsoft verkauft, die bereits in der Windows Media Series 9 Verwendung finden. Die Marktbereinigung lässt im Bereich der digitalen Rechteverwaltung entsprechende Projekte von Firmen wie Microsoft, RealNetworks und InterTrust übrig. Während Microsoft in Richtung Hardware/Software Totalkontrolle namens Palladium steuert, versucht RealNetworks mit der Helix-Plattform die Vorteile der OpenSource-Software-Entwicklung zu nutzen und dabei natürlich doch kommerzielle Interessen zu wahren. InterTrust ist derweil im November von Philips und Sony aufgekauft worden und gilt somit als vorerst gesicherte Alternative zu den beiden Anderen. Generell darf als unklar gelten, ob sich digitale Rechteverwaltung überhaupt grossflächig durchsetzen wird solange es Alternativen gibt. Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre in der Computer-Branche haben sowohl gezeigt, dass kein Kopierschutz sicher ist, als auch, dass aufgeklärte Benutzer des 21. Jahrhunderts gerne Eigenverantwortung über die erworbenen Medien ausüben möchten. Während es die Plattenindustrie vielleicht erst im letzten Moment verstehen dürfte und obgleich Britney Spears wohl nie davon singen wird, wusste schon Kant im Bezug auf Politik: "Wenn denn die Natur [...] den Hang und Beruf zum freien Denken ausgewickelt hat, so wirkt dieser allmählig zurück auf die Sinnesart des Volks (wodurch dieses der Freiheit zu handeln nach und nach fähiger wird) und endlich auch sogar auf die Grundsätze der Regierung, die es ihr selbst zuträglich findet, den Menschen, der nun mehr als Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln."
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