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Vivendi Universal kauft MP3.com

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21.05.2001 | Von Gregor Lawatscheck

Das Big-5 Label Vivendi Universal befindet sich in zwecks Übernahme in Verhandlungen mit MP3.com. Der Vorstand von MP3.com soll bereits zugestimmt haben - den Aktionären, die ca. 50% der Aktienanteile halten wird ein Kaufwert von 5 Dollar pro Aktie angeboten. Das sind zwar 66% mehr, als der letzte Handelskurs am vergangen Freitag - allerdings meilenweit vom erreichten Höchstkurs von 60 Dollar, beim Tag der Ausgabe entfernt. Dies spiegelt einmal mehr den Gegensatz zwischen einstigem Cyber-Börsentype und der Realität in der Online-Musikbranche wieder. So wie es aussieht, werden sogar zu diesem Preis die Aktionäre zustimmen.

MP3.com ist nach Emusic.com nun schon die zweite amerikanische Online-Musik-Firma, die Vivendi Unviversal dieses Jahr aufgekauft hat. Interessant daran ist, dass beide Angebote Verfechter des offenen, ungeschützten MP3-Standards sind - zumindest noch. Kontrovers ist auch die Vergangenheit zwischen MP3.com und Universal:

Vor gut einem Jahr musste MP3.com circa 100 Millionen DM Strafe im my.mp3.com Rechtsstreit an Universal zahlen. Universal war damals das Plattenlabel, daß am hartnäckigsten auf eine hohe Schadenssumme pochte - zeitweise sah es so aus, als ob die Forderungen, die den Firmenwert von MP3.com überstiegen, das Unternehmen in die Knie zwingen würde. Im Endeffekt erhielt Universal mehr Schadensersatz als die anderen vier Plattenlabels, während MP3.com mit in den generellen Abwärtstrend der NASDAQ Hi-tech-Aktien gesogen wurde.

Nichts desto trotz wuchs MP3.com weiter - ist und bleibt mit momentan 150.000 Künstlern das anerkannt größte Angebot für Künstler ohne Plattenvertrag. Ein weiterer Geschäftszweig, der lizenzrechtlich bisher schwierig auf die Beine zu stellen war, ist my.mp3.com. Hierbei soll es dem Kunden möglich sein, seine eigene CD-Sammlung von überall in der Welt per Internetanschluss zu hören - ohne die CDs physikalisch bei sich zu haben. Ein einmaliges "Einbuchen" ins System soll genügen. Des weiteren sollen auf dem Weg CDs, die über einen Online-Shop bestellt worden sind, direkt als MP3 hörbar sein, bevor die CD geliefert wird.

Was Universal aus den Geschäftsmodellen von MP3.com machen wird, ist unklar. Wenn man allerdings die Entwicklungen bei Emusic.com anguckt, lässt sich auf einiges schließen: Die Schwestersite IUMA.com, die für Künstler ein ähnliches Angebot zum Veröffentlichen von Songs bereitstellt, stand nach der Universal-Übernahme kurz vor der Pleite, weil eine Unterstützung durch Universal nicht geschehen war.

Inzwischen ist IUMA von Vitaminic übernommen worden. Dies zeigt, dass Universal nicht unbedingt Interesse an der Förderung der Künstler-Plattform bei MP3.com hat. Vielmehr dürfte es zu einem Verkaufsportal für Universal's Musik umgewandelt werden - was wahrscheinlich auch von anderen Labels genutzt werden kann. Die Bekanntheit der Domain, die Künstler-Plattform und die Informationsangebote sollen dabei wie bisher der Publikumsmagnet bleiben und die Besucherzahlen sichern.

Paradox an der ganzen Sache ist, dass Universal, wie die anderen Plattenlabel, eine chronische Abneigung gegen das nicht kopiergeschützte MP3-Format hat. Es ist nach bisherigen Aussagen davon auszugehen, dass jegliche kostenpflichtige Musik von Universal in einem anderen Format als MP3 in einer kopiergeschützten Form angeboten werden wird - und das wohlmöglich auf einer Site, die sich MP3.com nennt und seit bestehen für das Format als solches kämpft.

Ähnlich steht es um Emusic.com - auch hier wurden bisher nur reine MP3s verkauft. Wie sich dies in Zukunft mit den Titeln von Universal verhalten wird, bleibt unklar. Im Angesicht der Fehlschläge einen sicheren SDMI-Standard zu etablieren, ist eine breit unterstützte Alternative zum MP3-Standard - mal rein abgesehen von der Akzeptanz der Kunden - auch außerhalb jeglicher Reichweite.

Musik im Internet. Die Labels kommen. Vier Jahre haben sie gepennt, geheult und geklagt - nebenbei trotzdem Wachstumsraten und satte Gewinne erzielt. Damit dies so bleibt, besinnt man sich nun aufs immer populärere Internet und kauft ein, was es zu kaufen gibt, um sich zu etablieren.

Ob und wann dem Kunden letztendlich ausreichend Musik in guter Qualität und mit gutem Service angeboten wird, steht weiterhin in den Sternen. Klar ist, dass sich etwas bewegt - wie schnell ist allerdings auch noch nicht absehbar.

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