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Innovation des Jahres oder überbewertet: Hat Napster Zukunft?

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24.03.2000 | Von Gregor Lawatscheck | Seite 1 von 3

Kein Programm hat in den letzten Monaten soviele Schlagzeilen gemacht wie Napster - keine andere Community ist innerhalb so kurzer Zeit so rapide gewachsen.

Napster ist das Resultat eines Programmiererprojekts des 19 jährigen US-Amerikaners Shawn Fanning im Spätsommer 1999. Die Idee enstand einerseits aus dem Frust der Unzuverlässigkeit typischer MP3-Suchmaschinen heraus, zudem sollte eine Gemeinschaft bestehend aus digital Audio-Fans geschaffen werden - eine sogenannte Community, wie sie bereits von Programmen wie ICQ bekannt ist.

Aus den anfänglich 100 Betatestern, die Fanning's erstes Windows-Programm testen konnten wurden in den USA schnell mehrere tausend, als eine frühe Betaversion seinen Platz auf Cnet's download.com fand. Napster's Hauptserver, die lediglich Listen mit den jeweils angebotenen MP3-Dateien jedes Teilnehmenden zwecks Suchfunktion verwalten, kam auf einen Schlag an seine Kapazitätsgrenzen.

Ein halbes Jahr später erfreut sich Napster der Beliebtheit von schätzungsweise mehr als 25 Millionen Benutzer, von denen jeweils circa 250 000 gleichzeitig online sind. Mehr als 50 unabhängige Listserver ermöglichen die Suche in ingesamt 100 Terabyte (100 000 Gigabyte) an MP3-Downloadangebot - oder knapp eine Millionen verschiedener Musiktitel.

Napster.com Inc. beschäftigt mittlerweile 24 Mitarbeiter und hat sich 1999 durch 2 Millionen Risikokapital über Wasser gehalten. Im Jahr 2000 hat Napster.com durch eine zweite Investitionsrunde 15 Millionen Dollar Kapital in Aussicht, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Investoren wollen übrigens aus rechtlichen Gründen ungenannt bleiben.

Überhaupt - die rechtliche Situation: Logisch, daß bei den Massen an Titeln, die meisten ohne Einstimmung des Urhebers kostenlos getauscht werden. Zum Vergleich: MP3.com nennt mit circa 250 000 Songs das größte legale Musikarchiv weltweit sein Eigen - wobei davon ausgegangen werden kann, daß sich bei den Napster-Benutzern kaum Titel aus dem Fundus von MP3.com befinden.Kein Wunder, daß die RIAA Sturm läuft und bereits im November 1999 eine Klage gegen Napster wegen Beihilfe zu Copyrightverletzungen einreichte. Erste Anhörungen finden allerdings erst jetzt - 4 Monate später - statt. Für eine einstweilige Verfügung hat es damals wie heute nicht gereicht - täglich wandern terabyteweise MP3-Dateien zwischen den in der Napster-Community verbundenen Computern.

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