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Home Page : Movies : White Noise - Schreie aus dem Jenseits
Geistlos INHALT Als seine Frau Anna (Chandra West) bei einem Autounfall ums Leben kommt, verändert sich die Welt von Ehemann Jonathan Rivers (Michael Keaton) schlagartig. Der wohlhabende Architekt hat mit ihrem Tod ein Stück von sich selbst verloren. Doch bodenständig und rational denkend, versucht Jonathan sein Leben wieder in den Griff zu bekommen; nicht zuletzt durch den Umzug in ein neues Zuhause. Aber so ganz will ihn die Vergangenheit nicht loslassen. Auf schmerzhafte und perfide Weise wird er durch mysteriöse Telefonstreiche auf das Ableben von Anna erinnert.
Doch ein fremder Mann (Ian McNice) behauptet Jonathan gegenüber, es habe mit den Anrufen mehr auf sich, als er für möglich halten werde. Die Rede ist von EVP - Electronic Voice Phenomenon - Stimmen aus dem Jenseits. Auch wenn es Rivers anfänglich für absurd hält, dass die Toten über Radiosignale mit ihren Geliebten im Diesseits kommunizieren, beginnt er, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Als der Witwer tatsächlich die verzerrte Stimme seiner Frau im Rauschen eines Radiosenders hört, verdrängt er alle Zweifel und versucht mit allen technischen Hilfsmitteln, den Kontakt zum Jenseits herzustellen. Dass er sich mehr Gäste in sein Haus holt, als es ihm lieb sein kannt, weiß Jonathan noch nicht... KRITIK EVP - die einen halten es für den absoluten Schwachsinn, die anderen glauben fest daran. Das Electronic Voice Phenomenon ist keine Erfindung unserer Tage, sondern machte sich erstmals 1939 einen Namen. Demnach dienen Radio- und Fernsehgeräte als Portal zur Welt der Toten. Diese machen sich die moderne Technik zu Nutze, um in Kontakt zu den Lebenden zu treten. Auch eine direkte Kommunikation ist zwischen den beiden Welten möglich, auch visuell über den Fernsehschirm. Das jedenfalls behauptet die immer größer werdende Zahl von Menschen, die an dieses Phänomen glauben. Unzählige Dokumentationen und Aufzeichnungen von paranormalen Gegebenheiten kursieren im Internet; über ihre Authentizität spalten sich die Meinungen.
Dieser Stoff ist - ob nun wissenschaftlich fundiert oder nicht - prädestiniert für einen Thriller, der sich der Welt des Paranormalen bedient. Die Vorstellung, dass die Dahingeschiedenen mit uns über verschneite Bildschirme und unklare Radiofrequenzen kommunizieren, lässt allein schon bei dem Gedanken eine Gänsehaut entstehen. Das hat sich auch der britische Fernsehregisseur Geoffrey Sax gedacht, der nach dem Drehbuch von Niall Johnson "White Noise" in Szene setzte. Allerdings bleibt Sax mit seinem US-Filmdebüt hinter sämtlichen Erwartungen zurück. Bei guten paranormalen Thrillern werden unwillkürlich Titel wie "The Sixth Sense" oder "Signs" ins Gedächtnis gerufen. Wie es also geht, das Publikum mit einer unheimlichen Grundstimmung und netten Schockeffekten bei Laune zu halten, wurde oft erfolgreich vorgemacht. Dass es eben nicht ausreicht, ein kleines Rauschen hier und ein nahezu unkenntliches Fernsehbild da zu präsentieren, hat der Regisseur mehr oder weniger eindrucksvoll bewiesen. Vielmehr wird mit der Erwartungshaltung des Zuschauers nach dem Motto gespielt, irgendwann müsse etwas passieren. Stattdessen dümpelt der Streifen ohne echte Höhepunkte dahin, in denen der Protagonist stundenlang vor seinen Monitoren sitzt und dem lauscht, was da komme. Auf der einen Seite will der Film mit einer gewissen Ernsthaftigkeit dem Thema EVP gerecht werden, auf der anderen Seite wird versucht, aus dem Stoff ein durchaus vorhandenes Gruselpotential zu schöpfen. Beides gelingt nicht. Hinzu kommt, dass die Handlung hin und wieder unschlüssig ist und einige Dinge zu augenscheinlich an den Haaren herbei gezogen sind, um den Zuschauer doch noch einmal zu "überraschen". Wirkliche Momente des Erschreckens sind äußerst rar gesät, sind sie doch oft schon voraussehbar oder schlecht inszeniert. Viel schlimmer noch: an Stellen, bei denen ein guter Effekt tatsächlich zum Gruseln beigetragen hätte, passiert gar nichts. Auch ein so großartiger Schauspieler wie Michael Keaton kann über die bescheidene Umsetzung des Films nicht hinwegtäuschen. Zwar scheinen die großen Erfolge auch bei Keaton in letzter Zeit auszubleiben, aber aus "White Noise" war in der Tat nicht viel heraus zu holen. Eine Ablehnung der Rolle wäre ihm wohl von größerem Nutzen gewesen. Der ehemalige Batman-Darsteller hat in der Rolle von Jonathan Rivers eigentlich nicht mehr zu tun, als immerzu traurig drein zu schauen und sich mit Worten reichlich zurück zu halten. Für einen derart charismatischen Mann wie Keaton dürfte sein Part eher unterfordernd gewesen sein. Hier bewahrheitet sich wieder die Regel: Ein Schauspieler ist immer nur so gut wie sein Regisseur. FAZIT Wir leben in einer Zeit, in der scheinbar sogar Geister ins Fernsehen wollen. In wie weit jeder für sich das Thema ernst nimmt, ist beim Ansehen von "White Noise" eigentlich irrelevant, weil weder der "Gläubige" noch der eigentliche Thriller-Fan richtig angesprochen werden. Aus dem Stoff wäre deutlich mehr herauszuholen, vor allem wenn es um Schockmomente geht. Denn wenn sich ein Film selbst dem Genre des Thrillers/Horrors verschreibt, sollte das Publikum mit einem Mindestmaß an genretypischen Effekten verwöhnt werden. Höchst unverständlich, dass die Filmemacher eine derart gute Vorlage mit reichlich gutem Thrillerpotential dermaßen verspielt haben. So bleibt letztendlich "White Noise" viel Lärm um nichts.
Lars Lehmann
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