Wenn Drehbuchautor und Regisseur Stephen Sommers alte Legenden zum Leben erweckt und diese dann nach seiner ganz eigenen Interpretation über die Leinwände scheucht, dann endet das mit respektablen Kinoerfolgen. Diese Regel wurde jedenfalls von "Die Mumie" und "Die Mumie kehrt zurück" erfüllt und mit Sicherheit kann sich auch "Van Helsing" bald in diese Erfolgsstory einreihen. Die Person Van Helsing hat eigentlich nicht mehr viel mit der Originalfigur von Bram Stoker's "Dracula" gemein, doch trotzdem oder gerade deshalb gelingt es Sommers erneut, eine faszinierende und perfekt visualisierte Geschichte zu entfachen.
Gabriel Van Helsing (Hugh Jackman), seines Zeichens Vampirjäger, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sämtlichen bösen Gestalten auf der Erde den Garauszumachen. Sein Feldzug treibt ihn über Paris, London nach Siebenbürgen, besser bekannt als Transsylvanien. Dabei trifft der schwarz gekleidete Widersacher auf alte Bekannte, wie Dr. Hyde, Frankensteins Monster oder eben Dracula. Doch besonders letztere sollen eng miteinander verquickt sein, zumindest was diese Geschichte angeht. Graf Dracula ist es leid, keine Nachfahren in der eigenen Familie produzieren zu können. So beschließt er mit Hilfe von Dr. Frankensteins Maschine, mit der auch das berüchtigte Monster geschaffen wurde, eine Art Klone-Prozess in Gang zu setzen, um sich seine Vampir-Armee zu schaffen.
Damit Van Helsing nicht ganz allein dieser Übermacht begegnen muss, steht ein Mönch, gesandt aus Rom, an seiner Seite. Dieser gottesfürchtige Tüftler kennt sich perfekt mit Waffen aus und stellt Van Helsing eine Armbrust zur Verfügung, die Vampiren in der Tat das Fürchten lehren kann. Reicht das noch nicht aus, dann tritt die schöne Anna (Kate Beckinsale) auf den Plan. Ihre Familie macht schon seit geraumer Zeit Jagd auf Mr. Dracula und sie hat noch einen persönliche Rechnung mit Herrn Langzahn zu begleichen. So stürzen sich die Drei in ein verfängliches Abenteuer bei dem zeitweise die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt.
Obwohl etwas romantisch oder gar kitschig angehaucht, was ja durchaus im Sinne des Erfinders sein mag, ist "Van Helsing" ein ernstzunehmender Gruselschocker der auch vor blutigen Szenen nicht zurückschreckt. Die auf den ersten Blick etwas wild zusammengewürfelte Story ist durchdacht und schlüssig, nimmt sich des öfteren aber mal gern selbst auf die Schippe. Die optische Aufbereitung lässt kaum Wünsche offen, sind doch düstere und zugleich märchenhafte Landschaften mit ihren unheimlichen Bewohnern selten so liebevoll dargestellt worden wie hier. Tatkräftige Unterstützung beim Aufbau mystischer Spannung liefert der kraftvolle Soundtrack par excellence.
Vermutlich können nur hartgesottene Bram Stoker Fans keinen Gefallen an dieser einzigartigen Neuinterpretation der Vampirgeschichten finden, denn es gibt in der Tat nicht viel an diesem Werk auszusetzen. Dass Van Helsing manchmal als eine Mischung aus Batman und Indiana Jones daherkommt, kann nur jene stören, die noch den alten Abraham Van Helsing im Kopf haben. Ansonsten trägt besonders das coole Outfit der Hauptdarsteller zur gutgemeinten Symbiose bei, Alt und Neu miteinander in Einklang zu bringen. Kein billiger Abklatsch also, sondern neu inspiriert versucht sich "Van Helsing" in die Herzen der Vampirfans zu spielen oder in die, die es spätestens nach diesem Kinoerlebnis sein werden.