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Home Page : Movies : Die Passion Christi
Qualvolles Kinoerlebnis Mit "Die Passion Christi" kommt wohl einer der kontroversesten Filme dieses Jahres ins Kino. Schon im Vorfeld wurden Debatten und Proteste laut, nicht zuletzt, weil Mel Gibsons aktuelles Meisterwerk in den Augen so mancher Betrachter antisemitische Gefühle hervorrufen soll. Hauptgrund dafür ist sicherlich, dass sich der Braveheart-Darsteller konsequent an das Neue Testament gehalten hat. Historische Nachforschungen blieben außen vor. Fakt ist, im Römischen Reich wurden über 10.000 Verbrecher, aber auch politische Gegner ans Kreuz geschlagen. So war Jesus nur einer unter vielen. Erst die Geschichte seiner angeblich prophezeiten Wiederauferstehung lässt sein Schicksal zu etwas Besonderem werden.
Zweiter Kritikpunkt der Öffentlichkeit war die ungefilterte, ja gar extra provozierte Darstellung der Brutalität, mit der mit Jesus ins Gericht gegangen wurde. Hier hielt man sich an jedes noch so blutige Detail, an jeden noch so dramatischen Moment. Somit findet sich der Zuschauer permanent in einer Gefühlslage wieder, die man irgendwo zwischen Emotionsgeladenheit und Entsetzen ansiedeln kann. Dass es sich um kein erheiterndes Kinoereignis handelt, sollte schon im Vornherein klar sein. Nicht umsonst schaut man sich die letzten 12 Stunden im Leben von Jesus an; und die waren eben, wie auch der Atheist weiß, recht blutig. Die Leidensgeschichte beginnt nach dem Abendmahl mit den 12 Jüngern, beim Gebet im Garten Gethsemane. Obwohl dort der Satan leibhaftig Jesus von Nazareth in die düstere und kurze Zukunft blicken lässt, kommt dieser nicht von seinem vorbestimmten Weg ab und möchte alle noch so schmerzhaften Proben über sich ergehen lassen. Der Verrat aus den eigenen Reihen, Judas Iskariot bekommt dafür 30 Silberlinge, führt den selbsternannten Sohn Gottes zu Pontius Pilatus. Dieser ist unter Druck des jüdischen Volkes gezwungen, Jesus ans Kreuz schlagen zu lassen. Allein die Auspeitschszenen fordern viel Tapferkeit vom Publikum ab. Sadistische römische Soldaten belustigen sich an ihrer widerlichen Aufgabe. Die Kreativität der Folterinstrumente spottet jeder noch so perversen Fantasie. Denn wenn der Rohrstock, der bereits tiefe Furchen im Fleische des Opfers hinterlassen hat, der Peitsche mit kleinen Widerhaken weicht, ist die Zuschauerreaktion unweigerlich mit einem Kopfschütteln verbunden.
Auch die schmerzvolle Last des Kreuzes ist spürbar, mit der sich Jesus unter den erniedrigenden Zurufen in den vom Volk gesäumten Straßen zum Berg Golgatha schleppt. Der finale Höhepunkt ist - wie sollte es anders sein - die Kreuzigung an sich. Auch hier wird aus der Vorgehensweise der römischen Henker kein Geheimnis gemacht. Alles, wirklich alles ist zu sehen. Selbst in der, für heutige Verhältnisse normalen, gewaltbeherrschten Kinolandschaft ist wohl wenig Vergleichbares zu finden. Dabei ist nicht einmal entscheident was, sondern wie es gezeigt wird, denn qualvolle Momente werden oftmals per Zeitlupe eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Untermalung mit einem fantastischen Soundtrack, bestehend aus Chören und klassischem Orchester, tut ihr Übriges. Ein interessanter und nicht unwichtiger Aspekt war wohl die Entscheidung, den Streifen nicht zu synchronisieren. Die jeweiligen Charaktere sprechen Lateinisch, Aramäisch oder Hebräisch, was der gesamten Handlung ein unglaublich authentisches Flair verleiht. Selbstverständlich wird das Publikum mit knappen und nicht allzu sehr ablenkenden Untertiteln auf dem Laufenden gehalten.
So ist "Die Passion Christi" wohl ein einmaliges, aber recht qualvolles Kinoerlebnis. Auch für nicht- oder andersgläubige ist die Verfilmung des Phänomens "Jesus", das die Historie der Menschheit in den letzten 2.000 Jahren direkt oder indirekt maßgeblich beeinflusst hat, ein aufschlussreicher Blick in die ferne Vergangenheit. Das rundum gelungene Werk von Mel Gibson hat in den USA trotz aller, oder gerade wegen der Kontroversen mehr Geld eingespielt, als es "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" im vergleichbaren Zeitraum tat. Obwohl die deutsche Bevölkerung insgesamt weniger gottesfürchtig ist als die Freunde in Übersee, wird der Film wohl auch bei uns schon bald von Erfolg gekrönt sein, nicht nur zum Osterwochenende. Lars Lehmann
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