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Home Page : Movies : Team America
An den Fäden herbeigezogen INHALT Das Paris der Gegenwart. Touristen wie Einheimische genießen den Tag und lassen sich in aller Ruhe ihr Eis schmecken. Doch das romantische Flair nimmt ein jähes Ende, als eine fliegende Polizeieinheit Jagd auf islamistische Terroristen macht. Wilde Schusswechsel und mächtige Explosionen legen Eifelturm, Triumphbogen und Louvre in Schutt und Asche. Und die Terroristen sind... ausgebüchst. Mission accomplished - das Team America hat seine Mission mehr oder weniger erfolgreich erfüllt; die Weltpolizei tritt den Heimweg an und die Pariser werden es danken.
Das Team America - eine internationale Anti-Terroreinheit, die ausschließlich aus Amerikanern besteht - braucht für den nächsten Auftrag dringend Verstärkung. Denn man will herausgefunden haben, dass ein mächtiger Diktator Massenvernichtungswaffen ein Gleichgesinnte verscherbelt. Um dem Einhalt zu gebieten, soll ein Schauspieler mit seinen entsprechenden Fähigkeiten das Terrornetzwerk als Agent unterwandern und von innen heraus zerstören. Die Wahl fällt auf den Broadway-Star Gary Johnston, der auf einer Gala zur Freude des Publikums gerade den Song "Everyone has AIDS" zum Besten gibt. Allerdings erfordert es einiges an Überzeugungsarbeit, um Gary zu einem Job-Wechsel zu bringen. Aber schon nach kurzer Zeit genießt er es, zusammen mit seinen Kollegen um den Erdball zu reisen, um dem Bösen den Gar auszumachen. Aber die Bedrohung scheint weit größer als bisher vermutet und so soll Paris nicht das letzte Opfer vom Team America - Verzeihung - der Terroristen gewesen sein. KRITIK Mit ihrer sarkastischen Kultserie "South Park" und der Sitcom "Hier kommt Bush!" avancierten Trey Parker und Matt Stone zu den derzeit wohl provozierendsten Filmemachern Hollywoods. Keine Frage, dass sie auch mit "Team America" wieder für viel Wirbel sorgen werden. Doch in ihrem neuesten Werk erscheinen auf der Leinwand weder einfach gehaltene Zeichentrickfiguren noch reale Schauspieler. Auch wenn wir uns im Computerzeitalter befinden, haben sich Stone und Parker für eine sowohl traditionelle als auch innovative Methode entschieden, dass Drehbuch umzusetzen: Puppenspieler hauchen aufwendig gestalteten Marionetten Leben ein und lassen so den Kinosaal zum Kasperle-Theater werden.
Wer jedoch unwillkürlich an die gute alte Zeit der Augsburger Puppenkiste denkt, sollte sich auf einen Kulturschock vorbereiten. Ganz im Stil von "South Park" geht es relativ derbe zur Sache und der eine oder andere Blutspritzer fegt über die Kamera. Um nicht zu sagen: zeitweilig kommt der Streifen als reinrassiger Splatter-Film daher. Die Tatsache, dass man Puppen nach Herzenslust zerreißen und zerstückeln kann, haben die Filmemacher scheinbar gnadenlos ausgenutzt. Ob die realen Pendants zu den Opfern, nicht selten Karikaturen berühmter Hollywood-Stars, ebenfalls ihren Spaß haben, ist zu bezweifeln. Oder kann eine Liv Tyler damit einverstanden sein, das ihr der Kopf abgerissen wird, während sie gerade für den Weltfrieden demonstriert? Ob Sinn oder Unsinn, die überaus makaberen Szenen erzwingen doch ein Lachen über dieses Übermaß an Absurdität und das Konzept der Provokation scheint wieder sein Ziel erreicht zu haben. Sollten die Charaktere ausnahmsweise mal ganz bleiben, so lassen sie sich in ihrer vollen Pracht bewundern. Die Gesichter wurden mit einer Vielzahl Servomotoren ausgestattet, die erstaunlich lebensechte Mimiken bei den kleinen "Schauspielern" erzeugen und so schon nach kurzer Zeit vergessen lassen, dass die Puppen eigentlich an jeweils zehn Fäden hängen. Überhaupt ist eine ungeheure Detailarbeit, angefangen vom Make-Up, über die Garderobe bis hin zu den Modellen festzustellen. Letztere wurden in dem riesigen Maßstab von 1:3 in einem ehemaligen Lagerhaus in Kalifornien aufgebaut; manche Modelle hatten eine Fläche von über 600 Quadratmetern. Erst diese Größe erlaubte atemberaubende Actionszenen, wie man sie sonst nur von herkömmlich gedrehten Filmen her kennt. Explosionen, Schießereien, Nahkämpfe und Verfolgungsjagden sind an der Tagesordnung - Hollywood lässt grüßen. Auf den ersten Blick scheinen oftmals die Schauplätze absolut real; so auch der liebevoll gestaltete Times Square, der von laufenden Passanten und fahrenden Autos gesäumt wird. Ein Beweis dafür, dass auch noch heute Illusionen ohne computergenerierte Bilder möglich sind. Gut von der Bilderflut verdeckt, ertrinkt die schwächelnde Story. Ganz klar kämpft Gut gegen Böse, nur die Rollenverteilung bleibt unklar. Nicht ganz ohne Absicht, versteht sich, werden auch die Amerikaner mit ihren rücksichtslosen und arroganten Methoden der Terrorverfolgung gerügt, doch eine konsequente Linie oder gar Kernaussage wird vermisst. Die vermeintliche Eigenkritik wird schleichend umgedreht und man kommt im Laufe des Films nicht umhin, an Winston Churchill und sein Zitat: "Die Amerikaner machen jeden Fehler, aber am Ende treffen sie die richtige Entscheidung", zu denken. In der Quintessenz wird sich über alles und jeden lustig gemacht, wirklich gut kommt niemand davon. Vom Waffeninspekteur Hans Blix bis hin zum Nordkoreanischen Diktator Kim Jong II werden alle Personen des öffentlichen Interesses durch den Kakao gezogen oder, wenn sie Pech haben, in die Luft gesprengt. FAZIT "Team America" sorgt für eine erfreulich innovative Abwechslung in der Kinolandschaft und kann mit seinen mechanischen Darstellern durchaus überzeugen. Dass gezeigte Effekte, wie Schwert- oder Martial Arts-Kämpfe mit Puppen überhaupt möglich sind, hätte wohl zuvor niemand für möglich gehalten. Auch die Detailverliebten Bauten tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei und lassen schon mal über die simpel gestrickte Story hinwegschauen. Etwas mehr Tiefgang wäre aus der Grundidee, eine Persiflage auf die Weltpolitik zu machen, mit Sicherheit möglich gewesen. Aber warum etwas erwarten, was auch schon in "South Park" vergeblich gesucht wird?
Lars Lehmann
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