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Home Page : Movies : Der Polarexpress
Bewegtes Bilderbuch für Klein und Groß INHALT Die Eltern schauen in dieser verschneiten Winternacht kurz vor Heiligabend noch einmal nach ihrem Jungen. Tief in seinen Träumen versunken sehen sie ihren Sohn schlafend im Bettchen liegen, doch der Schein trügt. Als die Eltern das Zimmer wieder verlassen, öffnen sich die hellwachen Augen des Kleinen. Wie gebannt liegt er da und hört auf jedes noch so kleine Geräusch. So richtig möchte er ja nicht mehr an ihn glauben, und doch gibt es immer noch den Hoffnungsschimmer, dass auch dieses Jahr wieder der Dicke die Geschenke unter den Christbaum legen wird. Ja, die Rede ist vom Weihnachtsmann.
Doch kurz vor dem Einschlafen wird das Kind von einem lauten Zischen und Pfeifen sprichwörtlich aus dem Bett geschüttelt. Das Getöse und das gleißende Licht lässt die Neugier des Jungen ins unerträgliche ansteigen. Nur mit Pyjama und Bademantel bekleidet, stürmt er aus dem Haus. Als sich der Nebel gelichtet hat, will der Kleine seinen Augen nicht trauen: Ein wunderschöner Zug mit einer mächtigen Dampflok steht da, wo sonst die Straße des kleinen Vororts verläuft. Ein gutmütiger Schaffner fordert sanft aber bestimmt zum Einsteigen auf. Wohin es gehen soll? Na zum Nordpol natürlich. Das ist der Polarexpress! KRITIK In "Der Polarexpress" dürfen wir die Welt aus der Sicht von Kinderaugen betrachten, unverdorben und voller großartiger Ideen. Warme, kontrastreiche Bilder wirken wie aus einem Bilderbuch entnommen und verleihen dieser Weihnachtsgeschichte die perfekte Illusion. Kein Zufall, denn das Oscar-gekrönte Team von Tom Hanks und Regisseur Robert Zemeckis hielt sich streng an die Buchvorlage von Chris Van Allsburg. Neben dessen Geschichte "Der Polarexpress" stammen auch die dazugehörigen Ölpastell-Illustrationen, sie wurden 1986 mit der Caldecott-Medaille ausgezeichnet, von dem amerikanischen Schriftsteller. So war für die Filmemacher von Anfang an die Meßlatte für ihren komplett computeranimierten Kinofilm sehr hoch gesteckt.
Um die Impressionen märchenhaft und trotzdem real wirken zu lassen, kam erstmals in einem derartigen Umfang das Performance-Capture-Verfahren zur Anwendung. Anders als mit der herkömmlichen Motion-Capture-Methode können Gestik und Mimik von mehreren Schauspielern gleichzeitig eingefangen und digital verarbeitet werden. Alle Szenen dreht man wie eh und je, nur Scheinwerfer, Kameras und Kulissen fehlen. Stattdessen stecken die Darsteller in speziellen, mit Sensoren versehenen Anzügen, um Bewegungen speichern zu können. Mit diesem Verfahren kann ein Schauspieler gleich mehreren Charakteren seine Seele "verleihen". So geschehen bei Tom Hanks, der gleich fünf Personen des Films zum Leben erweckt. Eine besondere Herausforderung, wenn man bedenkt, dass im "Nichts" und mit nichts gedreht wird und doch jede Figur ihre ganz individuellen Eigenschaften besitzen soll. Dem Filmteam war es wichtig, nicht die Technik ihrer willen einzusetzen, sondern diese neue Kunstform für die bestmögliche Umsetzung der Geschichte zu nutzen. Doch bei aller Bescheidenheit, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vergleiche mit bisherigen Animationsfilmen hinken, weil die neue Technik es tatsächlich schafft, noch so geringe Gesichtsausdrücke des Schauspielers auf die fiktive computergenerierte Figur zu übertragen. Jeder weiß beim Hinschauen, nichts ist echt, und trotzdem wirken die Charaktere unglaublich real, als wäre das Bilderbuch zum Leben erwacht. Der anfänglichen Begeisterung für das neuartige Verfahren weicht aber nach und nach die Faszination für die simple, aber doch tiefgründige Geschichte vom Polarexpress und seinen Reisenden. An Kinder wie an Erwachsene gleichermaßen gerichtet ist der moralische Aspekt von Weihnachten und dem Leben an sich. Jeder der Passagiere hat so seine eigenen Marotten und Schicksale, doch ein Jeder wird auf dieser abenteuerlichen Fahrt zum Nordpol einiges für sich lernen. Anstand, Höflichkeit, Dankbarkeit und Vertrauen sind Thema dieser Geschichte, aber keine Angst, die Moralkeule wird nur subtil geschwungen und der Spaß bleibt im Vordergrund bestehen. Und Spaß gibt es in Hülle und Fülle. Da nichts real ist, kann alles real sein. Sämtliche physikalischen Gesetzmäßigkeiten wurden zur Freude des Publikums außer Kraft gesetzt und so erlebt man die wohl wildeste Zugfahrt seines Lebens. Achterbahnfahrten, Schlitterpartien oder Akrobatik im Speisewagen sollen nur ein kleiner Auszug aus der Attraktions-Liste des Polarexpress sein. Zwar ist der Streifen für Kinder ab sechs Jahren zugelassen, aber zeitweilig könnten die wirklich Actionfilm reifen Szenen etwas zu viel für die Kleinen sein. Doch die ansonsten sehr kinderliebe Gestaltung wurde vor allem in Sachen Sprache sehr ernst genommen. Sämtliche Szenen, die Schriften enthalten, wurden eigens für den deutschen Markt visuell überarbeitet und übersetzt. Zeitungsartikel und Schilder sind so auch für die Jüngsten unter uns bereits lesbar. Auch einige Gesangsstücke wurden synchronisiert, obwohl die englischen Originalversionen etwas harmonischer sind und damit angenehmer klingen als ihre deutschen Pendants. Der sonstige Soundtrack setzt sich aus traditionellen und amerikanischen Weihnachtsliedern zusammen und der eigens komponierte Score untermalt noch einmal die prächtige Stimmung dieser schillernden Phantasiewelt. FAZIT Ob nun acht oder 88, Gänsehaut-Feeling ist garantiert. Ein schönes Abenteuer rund um Weihnachten lädt für knapp zwei Stunden zum Versinken in eine andere Welt ein. Besonders bei Erwachsenen dürfte die eine oder andere Kindheitserinnerung wieder aus der Versenkung auftauchen. Erinnerungen an die Zeit, als man noch fest an den dicken Mann mit weißem Bart geglaubt hat. Kinder können sich nach diesem Film wohl in ihrem Glauben bestätigt fühlen - schade, würde man sie dieses Glückes berauben. "Der Polarexpress" appelliert mit der kindlichen Offenheit für Neues an uns alle, uns mehr zu öffnen und der Erweiterung des eigenen Horizonts nicht im Wege zu stehen. Denn wie heißt es im Film so schön: "Wo der Zug hinfährt, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass man einsteigt"...
Lars Lehmann
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