Hautnah
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Original Titel Closer Kinostart 13.01.2005 Genre Drama Erscheinungsjahr 2004 Land USA Verleih Sony Pictures |
Regie Mike Nichols Autor Patrick Marber Laufzeit 105 Minuten FSK ab 12 Jahren Hauptdarsteller Julia Roberts Jude Law Natalie Portman Clive Owen |
Obszön mit Stil
INHALT
Dan (Jude Law) ist Schriftsteller, doch seine Werke werden nur den Toten zuteil; Dan schreibt Nachrufe. Durch ein schicksalhaftes Ereignis lernt der Autor auf den Straßen Londons die New Yorker Stripperin Alice (Natalie Portman) kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Zwar kommen die beiden zusammen, doch ihre Liebe soll schon schnell auf eine harte Probe gestellt werden. Denn bei einem Foto-Shooting verguckt sich Dan in die Fotografin Anna (Julia Roberts) und beginnt eine Affäre mit ihr.
Aber der Probleme nicht genug: Bei einem, eigentlich als Streich geplanten Verkupplungsversuch, kommt Anna wiederum dem zielgerichteten Arzt Larry (Clive Owen) näher und heiratet ihn schließlich. Dieser wiederum ist von Alice, Dans Freundin, nicht ganz abgeneigt. Ohne Rücksicht auf jegliche Gefühle, entwickelt sich unter den beiden Männern ein Konkurrenzkampf, bei dem es schon lange nicht mehr um die Frauen an sich, sondern viel mehr um den Triumph und die Ehre der Kontrahenten geht. Gebrochene Herzen, jede Menge Lügen und noch mehr vergossene Tränen sollen nur einige der Wegpunkte auf der irrwitzigen Fahrt durch die Abgründe der menschlichen Seele sein.
KRITIK
Vor gar nicht allzu langer Zeit, im Jahre 1997, feierte das Bühnenstück "Closer" in London seine Premiere. Es war erst Patrick Marbers zweites Theaterstück, doch der ehemalige Stand-Up-Comedian konnte mit seinem Werk einen Erfolg nach dem anderen verbuchen. So ging "Closer" schnell als internationaler Hit auf und wurde in nicht weniger als 100 Städten in 30 verschiedenen Sprachen aufgeführt. Da verwundert es nicht, dass auch die Filmindustrie ein Auge auf dieses populäre Stück warf.
Wirklich gute Drehbücher sind inzwischen auch in Hollywood zur Mangelware avanciert, also warum nicht aus einem erfolgreichen Bühnenspiel einen Film machen? Der in Berlin geboren Regisseur und Produzent Mike Nichols kam jedenfalls zu diesem Schluss und schuf zusammen mit Patrick Marber eine Adaption, die dem Original in Sachen Wortwitz und Komplexität wohl in nichts nachsteht. So tritt der Film in die Fußstapfen der Vorlage und kassierte bereits etliche Filmpreise und Nominierungen, nicht zuletzt für den begehrten Golden Globe.
"Closer", respektive "Hautnah", bringt schonungslos und ehrlich die Art und Weise zu Tage, mit der wir in unseren modernen Zeiten mit der Liebe - oder mit den für Liebe gehaltenen Gefühlen - umgehen. Es zeigt auf, wie der Liebe, aber auch der Macht wegen, die vertrautesten Menschen belogen und betrogen werden - ganz unabhängig vom jeweiligen Geschlecht. Das krampfhafte Verlangen nach der Wahrheit kann dann zum Schafott für eine enge Beziehung zweier Menschen werden und unweigerlich kommt die Frage auf, ob nicht doch die Lüge der richtigere Weg für die scheinbare Glückseeligkeit gewesen wäre. Für einige Momente meint man während des Films, die Definition von Liebe entdecken zu können. Doch sollen wirklich nur Gewohnheit und Trieb zu einer derartigen physischen mit psychischen Abhängigkeit führen? Eine Frage, die jeder für sich selbst klären kann.
Entsprechend seines jungen Alters ist das Theaterstück, wie auch der Film, gesäumt vom zeitgenössischen Umgangston der Gegenwart. Jeder kitschigen Darstellung von Liebesgeschichten fern, geht es verbal gesehen in "Hautnah" recht derbe zur Sache. Den Protagonisten entfleuchen während der hitzigen Dialoge regelmäßig Sprüche, die schon mal rote Ohren verursachen können. Der Zuschauer darf einen regelrechten Erguss von Dirtytalk und Sextalk über sich ergehen lassen und könnte zeitweilig meinen, er lausche einem pornographischen Streifen aus der nächsten Videothek.
In diesen Rausch voller Obszönitäten will die Starbesetzung auf den ersten Blick nicht so recht passen, aber Zweifler werden schnell eines Besseren belehrt. Insbesondere Julia Roberts, ansonsten immer leicht als sie selbst erkennbar, spielt auf eine - im positiven Sinne - geradezu fremdartige Weise ihren Part. Es scheint das erste Mal zu sein, dass man Roberts ihre Rolle, die so gänzlich von ihrem wirklichen Charakter abweicht, tatsächlich abnimmt. Vor uns steht nur noch Anna, nicht Julia. Ebenfalls weit entfernt jeder Realität ist Natalie Portmans' Charakter, ein durchgeknalltes Stripgirl, angesiedelt. Mit ihrer verruchten Art und ihrem Lolita-Gehabe bringt sie als Alice vielleicht nicht nur das Blut ihrer Mitspieler in Wallung. Ab und zu recht knapp bekleidet, rekelt sie sich genüsslich im Striplokal vor ihrem Gegenpart; für die Star Wars-Prinzessin aus Episode I und II mit Sicherheit eine besondere Herausforderung.
In bester Gesellschaft befinden sich die Mädels mit einem bestechenden Jude Law, der momentan zweifellos zu den begehrtesten Schauspielern überhaupt gehört. In diesem Jahr wird er u.a. noch in "The Aviator" und "Alfie" zu sehen sein. Dass unter seinem vollen Terminplan jedoch nicht die schauspielerische Qualität litt, konnte Law in "Hautnah" eindrucksvoll unter Beweis stellen. Seine innere Zerrissenheit und Unentschlossenheit, für welche Frau nun wirklich sein Herz schlägt - oder ob es nicht vielmehr um die Ehre ansich geht - weiß das Multitalent gekonnt auf die Leinwand zu bringen.
FAZIT
Nicht immer sind Preisverleihungen und Nominierungen ein Garant für gutes Kino, doch in diesem Fall dürften Kritiker wie Publikum einer Meinung sein. Kontrovers und provozierend spielt "Hautnah" mit der großen Gefühlswelt, in der überspitzt psychische Brutalität und Schmerz zu Tage gefördert werden. Die Heucheleien und das Spiel mit der Unwahrheit dürften mit Sicherheit jeden von uns einige Parallelen zum wahren Leben finden lassen und den Film somit als hautnahe Karikatur vom Kampf der Geschlechter enttarnen. Doch bei aller Ernsthaftigkeit kommt auch der Spaß, unter Umständen sogar die Schadenfreude, nicht zu kurz. Wenn man nach dem Film eine Lehre mit nach Hause nehmen möchte, dann vielleicht die, dass Untreue nicht geschlechtsspezifisch ist und es in der Tat jeden erwischen kann. "Hautnah" als Aufklärungsfilm - seit dem 13. Januar im Kino.
Von Lars Lehmann
Dan (Jude Law) ist Schriftsteller, doch seine Werke werden nur den Toten zuteil; Dan schreibt Nachrufe. Durch ein schicksalhaftes Ereignis lernt der Autor auf den Straßen Londons die New Yorker Stripperin Alice (Natalie Portman) kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Zwar kommen die beiden zusammen, doch ihre Liebe soll schon schnell auf eine harte Probe gestellt werden. Denn bei einem Foto-Shooting verguckt sich Dan in die Fotografin Anna (Julia Roberts) und beginnt eine Affäre mit ihr.
Aber der Probleme nicht genug: Bei einem, eigentlich als Streich geplanten Verkupplungsversuch, kommt Anna wiederum dem zielgerichteten Arzt Larry (Clive Owen) näher und heiratet ihn schließlich. Dieser wiederum ist von Alice, Dans Freundin, nicht ganz abgeneigt. Ohne Rücksicht auf jegliche Gefühle, entwickelt sich unter den beiden Männern ein Konkurrenzkampf, bei dem es schon lange nicht mehr um die Frauen an sich, sondern viel mehr um den Triumph und die Ehre der Kontrahenten geht. Gebrochene Herzen, jede Menge Lügen und noch mehr vergossene Tränen sollen nur einige der Wegpunkte auf der irrwitzigen Fahrt durch die Abgründe der menschlichen Seele sein.
KRITIK
Vor gar nicht allzu langer Zeit, im Jahre 1997, feierte das Bühnenstück "Closer" in London seine Premiere. Es war erst Patrick Marbers zweites Theaterstück, doch der ehemalige Stand-Up-Comedian konnte mit seinem Werk einen Erfolg nach dem anderen verbuchen. So ging "Closer" schnell als internationaler Hit auf und wurde in nicht weniger als 100 Städten in 30 verschiedenen Sprachen aufgeführt. Da verwundert es nicht, dass auch die Filmindustrie ein Auge auf dieses populäre Stück warf.
Wirklich gute Drehbücher sind inzwischen auch in Hollywood zur Mangelware avanciert, also warum nicht aus einem erfolgreichen Bühnenspiel einen Film machen? Der in Berlin geboren Regisseur und Produzent Mike Nichols kam jedenfalls zu diesem Schluss und schuf zusammen mit Patrick Marber eine Adaption, die dem Original in Sachen Wortwitz und Komplexität wohl in nichts nachsteht. So tritt der Film in die Fußstapfen der Vorlage und kassierte bereits etliche Filmpreise und Nominierungen, nicht zuletzt für den begehrten Golden Globe.
"Closer", respektive "Hautnah", bringt schonungslos und ehrlich die Art und Weise zu Tage, mit der wir in unseren modernen Zeiten mit der Liebe - oder mit den für Liebe gehaltenen Gefühlen - umgehen. Es zeigt auf, wie der Liebe, aber auch der Macht wegen, die vertrautesten Menschen belogen und betrogen werden - ganz unabhängig vom jeweiligen Geschlecht. Das krampfhafte Verlangen nach der Wahrheit kann dann zum Schafott für eine enge Beziehung zweier Menschen werden und unweigerlich kommt die Frage auf, ob nicht doch die Lüge der richtigere Weg für die scheinbare Glückseeligkeit gewesen wäre. Für einige Momente meint man während des Films, die Definition von Liebe entdecken zu können. Doch sollen wirklich nur Gewohnheit und Trieb zu einer derartigen physischen mit psychischen Abhängigkeit führen? Eine Frage, die jeder für sich selbst klären kann.
Entsprechend seines jungen Alters ist das Theaterstück, wie auch der Film, gesäumt vom zeitgenössischen Umgangston der Gegenwart. Jeder kitschigen Darstellung von Liebesgeschichten fern, geht es verbal gesehen in "Hautnah" recht derbe zur Sache. Den Protagonisten entfleuchen während der hitzigen Dialoge regelmäßig Sprüche, die schon mal rote Ohren verursachen können. Der Zuschauer darf einen regelrechten Erguss von Dirtytalk und Sextalk über sich ergehen lassen und könnte zeitweilig meinen, er lausche einem pornographischen Streifen aus der nächsten Videothek.
In diesen Rausch voller Obszönitäten will die Starbesetzung auf den ersten Blick nicht so recht passen, aber Zweifler werden schnell eines Besseren belehrt. Insbesondere Julia Roberts, ansonsten immer leicht als sie selbst erkennbar, spielt auf eine - im positiven Sinne - geradezu fremdartige Weise ihren Part. Es scheint das erste Mal zu sein, dass man Roberts ihre Rolle, die so gänzlich von ihrem wirklichen Charakter abweicht, tatsächlich abnimmt. Vor uns steht nur noch Anna, nicht Julia. Ebenfalls weit entfernt jeder Realität ist Natalie Portmans' Charakter, ein durchgeknalltes Stripgirl, angesiedelt. Mit ihrer verruchten Art und ihrem Lolita-Gehabe bringt sie als Alice vielleicht nicht nur das Blut ihrer Mitspieler in Wallung. Ab und zu recht knapp bekleidet, rekelt sie sich genüsslich im Striplokal vor ihrem Gegenpart; für die Star Wars-Prinzessin aus Episode I und II mit Sicherheit eine besondere Herausforderung.
In bester Gesellschaft befinden sich die Mädels mit einem bestechenden Jude Law, der momentan zweifellos zu den begehrtesten Schauspielern überhaupt gehört. In diesem Jahr wird er u.a. noch in "The Aviator" und "Alfie" zu sehen sein. Dass unter seinem vollen Terminplan jedoch nicht die schauspielerische Qualität litt, konnte Law in "Hautnah" eindrucksvoll unter Beweis stellen. Seine innere Zerrissenheit und Unentschlossenheit, für welche Frau nun wirklich sein Herz schlägt - oder ob es nicht vielmehr um die Ehre ansich geht - weiß das Multitalent gekonnt auf die Leinwand zu bringen.
FAZIT
Nicht immer sind Preisverleihungen und Nominierungen ein Garant für gutes Kino, doch in diesem Fall dürften Kritiker wie Publikum einer Meinung sein. Kontrovers und provozierend spielt "Hautnah" mit der großen Gefühlswelt, in der überspitzt psychische Brutalität und Schmerz zu Tage gefördert werden. Die Heucheleien und das Spiel mit der Unwahrheit dürften mit Sicherheit jeden von uns einige Parallelen zum wahren Leben finden lassen und den Film somit als hautnahe Karikatur vom Kampf der Geschlechter enttarnen. Doch bei aller Ernsthaftigkeit kommt auch der Spaß, unter Umständen sogar die Schadenfreude, nicht zu kurz. Wenn man nach dem Film eine Lehre mit nach Hause nehmen möchte, dann vielleicht die, dass Untreue nicht geschlechtsspezifisch ist und es in der Tat jeden erwischen kann. "Hautnah" als Aufklärungsfilm - seit dem 13. Januar im Kino.
Von Lars Lehmann
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