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Home Page : Movies : Exorzist: Der Anfang
Vorwärts in die Vergangenheit INHALT Wir schreiben das Jahr 1949. Der einst so gottestreue Pater Lankester Merrin (Stellan Skarsgard) hat sich nach den schrecklichen Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs von Gott abgewendet und irrt nun ziellos durch die Welt. Nacht für Nacht quälen ihn die Alpträume, die Bilder, die ihn nicht mehr loslassen wollen. Nein, in dieser von Leid und Elend geprägten Welt kann es keinen Gott geben. Auf der Reise durch Kairo trifft Merrin auf einen Antiquitätensammler, der ihm einen interessanten Vorschlag macht. Der Pater soll an von Britannien geleiteten Ausgrabungen einer christlich-byzantinischen Kirche teilnehmen und dort eine Reliquie sicherstellen, ehe es die Briten tun.
Verwundert ist der in Archäologie studierte Pater Merrin über den baulichen Zustand der aus dem fünften Jahrhundert stammenden Kirche. Als wäre sie sofort nach der Fertigstellung von Sand bedeckt worden, kommt die Kirche nach und nach in ihrer ganzen Pracht nahezu unversehrt zum Vorschein. Unheimlich ist auch das im Inneren auf den Kopf gedrehte Kruzifix. Jemand hat das mannshohe Kreuz gewaltsam vom Altar entfernt und mit einer Kette an der Kirchendecke befestigt. Interessant, wenn man bedenkt, dass seit 1500 Jahren keine Menschenseele mehr Zugang zu diesem Gebäude hatte. Doch wie die nahenden Umstände zeigen, ist von "Menschenseele" gar keine Rede, vielmehr scheint der Teufel in den Verstand eines kleinen Jungen im naheliegenden Dorf Einzug zu halten. Immer häufiger gehen in der Gegend um die Kirche herum merkwürdige Dinge vor sich und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es erste Opfer von äußerst blutigen Attacken gibt. Pater Merrin ist nun gefragt, dem Teufel auf die Schliche zu kommen und ihm den Gar auszumachen; vorläufig, wie wir wissen. KRITIK In Hollywood ist es inzwischen in Mode gekommen, nicht nur bekannte Filmcharaktere gegeneinander Kämpfen zu lassen ("Freddy vs. Jason"/ "Alien vs. Predator"), sondern auch die Anfänge einer mehrteiligen Verfilmung zu zeigen. Das Thema "die Geschichte vor der Geschichte" hat man sich auch für den im nächsten Jahr anlaufenden "Batman Begins" zur Maxime gemacht, aber eben auch für die Trilogie von "Der Exorzist". Anfang der 1970er Jahre kam der erste Teil der Schockerreihe auf den Markt und setzte mit seinen subtilen Ekeleffekten neue Maßstäbe in diesem Genre. Quasi die Neuzeit des Horrorfilms war angebrochen. Belohnt wurden die damaligen Produzenten mit zwei Oscars für ihr markerschütterndes Werk, in dem der ungläubig gewordene Pater Lankester Merrin der kleinen Regan den Teufel aus dem Leib jagen sollte.
Um die bisherige Chronologie zu unterbrechen und die "Exorzist"-Reihe mit einem neuen Anstrich dastehen zu lassen, präsentieren uns nun die Filmemacher den "wirklichen" Beginn der Austreibungsgeschichte. So lernen wir Pater Merrin um 25 Jahre verjüngt kennen. Da im Original "Der Exorzist" über die früheren Jahre des Paters wenig bekannt wurde, blieb ausreichend Spielraum für eine entsprechende Geschichte, die sich dieses Mal um den Diener Gottes herum aufbaut. Stellan Skarsgard, bekannt aus "Jagd auf Roter Oktober" und "Good Will Hunting" stellt sich als hervorragende Besetzung für die Rolle des Lankester Merrin heraus. Dessen unscheinbares und doch charismatisches Wesen bettet sich in die Story ein, ohne als markanter Held besonders hervorzustechen. Merrin alias Skarsgard lässt das Publikum an seinem inneren Kampf, an seinen Zweifeln und seinem Glauben teilhaben. Der Glaube an Gott ist für Lankester Merrin zur Austreibung des Bösen auch zwingend notwendig. Doch bis es so weit ist, wird mit heftigen Schockeffekten und grellen Sounds eine Grundspannung aufgebaut, die über die gesamte Filmlänge erhalten bleibt. Als Schmankerl für Genre-Fans gibt es hin und wieder zerfetzte Körper zu sehen, die den Vergleich mit einschlägigen Splatter-Filmen nicht zu scheuen brauchen. Das Hauptaugenmerk der Gruselmomente liegt aber ganz klar bei dem Spiel mit der Erwartungshaltung der Zuschauer. Um den Wiedererkennungswert mit den vorherigen Filmen der "Exorzist"-Reihe zu erhalten, wurden die Masken für das Teufelsgesicht, wie auch schon vor 30 Jahren, aus Schaumstoff und Latex gefertigt. Gelbe Kontaktlinsen machen das Antlitz perfekt, das schon bei vielen für unruhige Nächte gesorgt haben dürfte. Moderner hingegen ging es bei der Gestaltung der Schauplätze zu, die allesamt düster und geheimnisvoll gehalten sind. Per Computertechnik schuf man ganze Städte oder blutige Schlachtfelder, wobei bei Erstgenannten etwas mehr Liebe zum Detail wünschenswert gewesen wäre. Wie aus einem Computerspiel wirken die nachgestellten Gassen von Kairo. Auch die Darstellung der computeranimierten Tiere wirkt in der Tat etwas holprig, aber ein Gruselfilm soll eben kein Dokumentarfilm sein. FAZIT Auch wenn es sich mit "Exorzist: Der Anfang" bereits um die vierte Verfilmung zum Thema Teufelsaustreibung handelt, hat der Stoff noch immer nichts von seinem Reiz verloren. Der Fokus wurde mehr auf den Charakter des Paters gelenkt und so entstehen ganz neue Aspekte in dieser Geschichte. In Anbetracht dessen, das Exorzismus auch heute noch in der westlichen Welt vorkommt, hat der Film keinesfalls an Aktualität verloren. In Deutschland starb das letzte Opfer nachweislich durch "Austreibung" des Teufels 1976, in den USA sollen es seit Mitte der neunziger Jahre bis heute mindestens drei Menschen gewesen sein. So bringt der Streifen ein gar nicht so utopisches Thema unterhaltsam auf die Leinwand, an dem Horror-Fans wohl kaum vorbeikommen dürften. Das Erfreulichste wird jedoch für jeden Kinogänger sein, dass die Erwartungen bei diesem vermeintlich ausgelutschten Thema bestimmt übertroffen werden. Ein Tipp zum Schluss: Achten Sie auf Ihren Sitznachbarn; man weiß nie, in wem der Teufel gerade stecken mag...
Lars Lehmann
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