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Home Page : Movies : Collateral
Risiko gehört zum Spiel INHALT Eigentlich steuert Max (Jamie Foxx) sein Taxi nur übergangsweise durch die Straßen von Los Angeles; seit 12 Jahren. Noch immer träumt er von einer eigenen kleinen Insel irgendwo in der Karibik. Der Alltag sieht freilich anders aus. Das raue L.A. wirft immer neue Gesichter auf Max' Rückspiegel, um sie dann nach kurzer Zeit auf nimmer Wiedersehen wieder auszuspucken. Doch jene Nacht soll anders sein, anders als tausende Nächte zuvor. Zuerst macht Max nähere Bekanntschaft mit der entzückenden Staatsanwältin Annie (Jada Pinkett Smith), die zu später Stunde sein gelbes Vehikel besteigt. Obwohl er "nur" ein Taxifahrer ist, verstehen sich beide so gut, dass sie Max beim verlassen des Fahrzeugs sogar ihre Nummer hinterlässt. Aber auf Sonne folgt Regen, in diesem Fall in Form von einem grau melierten Herrn in den Mitvierzigern, der auf den Namen Vincent (Tom Cruise) hört. Der edel gekleidete Fahrgast, dessen piekfeiner Anzug im Kontrast zum Dreitagebart steht, fordert Max für eine gehörige Summe Dollars auf, eine Stadtrundfahrt der ganz besonderen Art zu unternehmen. Fünf Adressen sollen in dieser Nacht angefahren werden. Allerdings handelt es sich weniger um Sehenswürdigkeiten als um potentielle Mordopfer, die Vincent laut Auftrag eines ausländischen Drogenkartells ins Jenseits zu befördern hat. Doch nur durch einen dummen "Unfall" kommt es dazu, dass Max von den ungeheuren Absichten seines Gastes erfährt und so mit vorgehaltener Waffe von Vincent zur Kundenfreundlichkeit aufgerufen wird. Vincent und Max sind nun in einer misslichen Lage und es beginnt eine Fahrt ins Ungewisse durch das nächtliche Los Angeles.
KRITIK Zum ersten Mal in seiner Filmgeschichte spielt Tom Cruise den wirklichen Bösewicht, abgesehen von seiner dunklen Seite in "Interview mit einem Vampir". Eher bekannt aus Heldenrollen wie in "Top Gun", "Tage des Donners" oder "Mission Impossible", tut man sich anfangs recht schwer, ihm den Schurken abzunehmen. Doch sein kaltblütiges Handeln belehrt schnell eines Besseren. Viel Zeit wurde laut Produktionsnotizen in die Ausarbeitung der Charaktere investiert, aber mit diesem Wissen kommt Verwunderung über die Wandlung von Vincent im späteren Teil des Films auf. Der sonst so coole Killer wirkt, als sei Luzifer persönlich in ihn gefahren. Tatsächlich erinnern dann Gang und Mimik viel mehr an einen verärgerten Schwarzenegger in "The Terminator", als an den smarten Herrn zu Beginn des Streifens. Ob nun dieser krasse Wandel wirklich glaubwürdig ist, wird das Publikum entscheiden müssen. Tom Cruise selbst bezeichnete seine Rolle als eine neue Herausforderung, aber der Autor dieses Artikels sagt: "Schuster bleib bei deinen Leisten", oder anders gesagt, freuen wir uns lieber auf den dritten Teil von "Mission Impossible", der zu großen Teilen in Berlin gedreht wird. Dass der Strahlemann über großes schauspielerisches Talent verfügt, ist unbestritten, doch in seinem Fall ist eine gewisse Schubladen-Denkweise angebracht. Vielleicht wird sich das mit der Zeit ändern, wenn eine falsche Haarfarbe bei Tom Cruise nicht mehr nötig sein wird. Multitalent Jamie Foxx, den man auf der Leinwand von Filmen wie "An jedem verdammten Sonntag" oder "Ali" her kennt, stellt auch in "Collateral" seine Begabung gekonnt unter Beweis. Als Max mimt er den gesetzestreuen Mittelständler, der sich aber doch durch Vincent's Verhaltenmuster inspiriert fühlt. Seit langer Zeit schon träumt Max von einer entscheidenden Veränderung in seinem Leben und siehe da, Vincent hat sie herbeigeführt. Interessant zu beobachten ist die sich entwickelnde Abhängigkeit der beiden Charaktere voneinander und ihre mehr oder weniger freiwillige Kooperation miteinander. Einen schweren Part hatte Jada Pinkett Smith, Ehefrau von Will Smith, zu übernehmen. Die Darstellerin aus den letzten beiden "Matrix"-Filmen (Niobe) erscheint nur zu Beginn und am Ende des Films, darf aber dem Zuschauer trotzdem nicht aus dem Gedächtnis geraten. Insofern gehört ihrer einprägsamen Spielweise Respekt gezollt.
Michael Mann, Regisseur des Films, empfand durch persönliche Erlebnisse auf Taxifahrten den Wunsch, sich dem Thema der zufälligen Begegnungen mit fremden Menschen und den daraus resultierenden Folgen anzunähern. Sogar eine Szene, in der zwei Kojoten die Straßen der Großstadt kreuzen, hat Mann tatsächlich erlebt. Um Los Angeles bei Nacht so realistisch wie möglich einzufangen, wurden diese Aufnahmen zu über 80 Prozent digital gedreht. Laut Mann erhält man nur mit diesem Verfahren einen authentischen und bisher nie erreichten Eindruck der nächtlichen Metropole. So lernt man die Stadt sprichwörtlich in einem neuen Licht kennen, was aber auch von der Auswahl der Locations herrührt. Wir lernen auf dem zweistündigen Trip durch L.A. nicht nur dessen schönen und edlen Seiten kennen, sondern auch die Gegenden, in die sich ein Tourist nur sehr ungern verirren würde. FAZIT Wohlbehütet hält sich der Zuschauer zusammen mit den beiden Hauptdarstellern einen Großteil der Spielzeit in einem der 17 Taxis auf, die für die verschiedenen Einstellungen nötig waren. Die langen, aber oft tiefsinnigen Dialoge und die relativ wenigen "Ausstiegspunkte" erwecken einem recht lahmen Eindruck der Handlung. Am Leben hält sich der Streifen durch seine kurzen, aber oft unerwarteten Actionsequenzen, auch wenn diese nicht automatisch den Anspruch auf die Bezeichnung "Actionfilm" erlauben. Doch dieses Genre möchte Michael Mann mit "Collateral" auch gar nicht abdecken. Vielmehr entstand ein beklemmendes Katz-und-Maus-Spiel mit Star-Besetzung. Die Innovation mittels klarer Abgrenzung von anderen Thrillern, was Handlungsstrang und Locations angeht, kostet ihren Tribut durch eine gewisse Zähflüssigkeit, die weder von Tom Cruise noch von Jamie Foxx wettgemacht werden kann. Einen großen Zulauf wird der Film schon allein durch ebengenannte Darsteller erhalten, ob die Enttäuschung nachher groß ist oder nicht, bleibt abzuwarten.
Lars Lehmann
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