Die CD-Sammlung liegt jederzeit griffbereit auf der Festplatte. Das fehlerfreie Auslesen der Tonträger, die Entscheidung für ein Audioformat und die richtige Qualitätseinstellung waren ein harter Kampf. Jetzt heißt es "zurücklehnen und genießen". Doch auch wenn aus Bits & Bytes wieder Musik wird, ist noch Feinschliff möglich.
Das Ziel ist ein einheitliches Lautstärkeniveau aller Titel oder Alben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Winamp oder foobar2000 zum absoluten Hörgenuss kommen.
Die erforderlichen Programme finden Sie in unserer Softwaresektion:
Das Lautstärkeniveau verschiedener Audio-CDs wird nicht immer als gleich empfunden. Selbst innerhalb einer CD kommt es vor, dass Titel als unterschiedlich wahrgenommen werden. Das ist zum Beispiel bei Samplern gelegentlich der Fall.
Am Computer ist es besonders störend, wenn beim Hören der auf Festplatte liegenden Musiksammlung ständig die Lautstärke nachgeregelt werden muss. Das lässt sich dank ReplayGain jedoch sehr wirksam vermeiden. Es handelt sich dabei um eine Berechnungsmethode für die subjektiv empfundene Durchschnittslautstärke. Das Verfahren unterscheidet sich dabei deutlich von der "Normalisierung", die nur den Maximalpegel berücksichtigt.
ReplayGain liegt eine Referenzlautstärke zugrunde, die im Vergleich zu den Titeln aktueller Audio-CDs zunächst als deutlich leiser empfunden wird. Der Grund ist vereinfacht gesagt, dass ReplayGain auf alle Musikstile anwendbar sein soll, also auf dynamikreiche klassische Musik ebenso, wie auf an die Schmerzgrenze hochgeschraubte Technoknaller. Um dies zu gewährleisten, sind entsprechende Reserven erforderlich.
ReplayGain bietet zwei Verfahren: Die Radio- oder Track-Anpassung bringt jeden Titel separat auf die Referenzlautstärke. Die Album- oder Audiophile-Anpassung analysiert dagegen eine Titelauswahl als Ganzes und passt alle Titel im gleichen Verhältnis an. So werden bei klassischen Alben die absichtlich leise gespielten Stücke nicht unverhältnismäßig laut wiedergegeben.
Ideal für MP3-Benutzer: MP3Gain
Für MP3-Dateien gibt es mit MP3Gain ein praktisches Programm, um mit wenigen Mausklicks einzelne Dateien oder ganze Verzeichnisse nach der ReplayGain-Methode anzugleichen. Wichtig: Die Dateien werden dabei nicht neu kodiert, die Audioqualität und Metatags bleiben erhalten.
Bei MP3Gain wird die Lautstärkeänderung fest in die MP3-Audiodaten integriert. Der Vorteil: Jedes Abspielprogramm und jeder tragbare MP3-Player kommt damit klar.
Zusätzlich wird die Änderung in einen so genannten "APE2-Tag" geschrieben, um sie bei Bedarf rückgängig machen zu können. Da APE2-Tags nicht für MP3 standartisiert sind, werten manche Analyseprogramme die Dateien fälschlicherweise als beschädigt. Theoretisch könnten auch einige portable Player mit diesen Tags Probleme haben, was man jedoch schnell selbst ausprobieren kann. Auf jeden Fall lässt sich die Wiederherstellungsfunktion mittels APE2-Tags bei Bedarf ganz einfach unter "Optionen » Tags » Ingorieren" abschalten.
Winamp 5 und der "Alleskönner" foobar2000
Um neben MP3 auch andere Audioformate verlustfrei mit der ReplayGain-Methode anzugleichen, eignen sich Winamp 5 und foobar2000 sehr gut.
Winamp unterstützt standardmäßig ReplayGain für MP3, AAC/MP4, WMA, Ogg Vorbis und FLAC. Für Musepack gibt es ein neues Plugin, das sich komplett in die Arbeitsumgebung integriert.
Foobar2000 bringt die ReplayGain-Unterstützung für Musepack bereits mit und hat noch weitere Formate wie WavPack mit an Bord.
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen der Kombination MP3/MP3Gain und den anderen Musikformaten in Kombination mit Winamp bzw. foobar2000 und ReplayGain:
Bei Winamp und foobar2000 wird die Lautstärkekorrektur ausschließlich in einen separaten Info-Tag geschrieben. Der Vorteil: Einfach den Tag löschen und alles ist wieder beim Alten. Der Nachteil: Abspielprogramme müssen den Tag lesen können, was abgesehen von Winamp und foobar2000 nur selten der Fall ist.
Tragbare digitale Audioplayer können mit ReplayGain-Informationen in Tags ebenfalls nichts anfangen, das heisst die angepasste Lautstärke wird unterwegs nicht berücksichtigt.
Unser Tipp: MP3-Nutzer mit portablen Playern sollten MP3Gain verwenden. Wer auch andere Formate wie Ogg Vorbis oder FLAC benutzt und Musik praktisch nur über den Rechner hört, kann auch komplett auf Winamp oder foobar2000 jeweils in Verbindung mit ReplayGain setzen.
Zwei Ausnahmen sind jedoch zu erwähnen: Seit Version 0.9 kann foobar2000 die Lautstärkeänderung ebenfalls direkt auf MP3-Dateien anwenden, so wie MP3Gain. Dabei wird aber stets der Standardwert von 89 dB verwendet. Eine manuelle Erhöhung auf 92 dB, wie sie bei portablen Playern sinnvoll sein kann, ist jedoch nicht möglich. Dazu später mehr.
Mit der alternativen Rockbox-Firmware erlernen einige auf dem Markt befindliche digitale Audioplayer den Umgang mit ReplayGain-Informationen.
2. MP3s mit MP3Gain angleichen
Das kostenlose MP3Gain analysiert die durchschnittliche Lautstärke von MP3 Dateien und ändert sie ohne Qualitätsverlust auf ein einheitliches Lautstärkeniveau.
Die Anwendung ist einfach: Die MP3-Dateien oder Ordner laden bzw. per Drag'n Drop in das Dateifenster ziehen. Dann einfach per Klick auf Track-Anpassung alle Titel auf die Referenzlautstärke (89 dB) bringen. Wer neugierig ist, wählt vorab die Album- oder Track-Analyse und schaut sich die zu erwartenden Änderungen an. Alternativ steht die Album-Anpassung zur Vefügung. Die konstante Anpassung ändert die Lautstärke aller Dateien lediglich um einen festen Wert, hat also nichts mit ReplayGain zu tun.
Tipp: MP3Gain und portable Player
Für den Einsatz im portablen MP3-Player ist die Referenzlautstärke nur bedingt brauchbar. Sie sind nicht auf ReplayGain ausgelegt, so dass die Lautstärke für satten Hörgenuss oft bis zum Anschlag aufgedreht werden muss.
Bei MP3Gain kommt eine Erhöhung auf den Zielwert 92 dB dem Niveau aktueller Tonträger schon deutlich näher. Für einzelne Titel erscheint dann manchmal eine Clipping-Warnung. Die Analyse der Files zeigt aber, dass nur sehr wenige Samples betroffen sind. Das dürfte in der Praxis nicht hörbar sein und ist ein brauchbarer Kompromiss für Besitzer portabler MP3-Player. Auf keinen Fall sollten die 92 dB überschritten werden! Der Wert hat nichts mit den 95% oder 100% zu tun, die man von der Normalisierungsfunktion diverser CD-Ripper oder Audioprogramme kennt.
3. ReplayGain mit foobar2000
Der Audioplayer foobar2000 ermöglicht die bequeme Lautstärkeangleichung für Musikdateien unterschiedlichster Formate in einem Rutsch.
So gehts: Einfach die Titel laden oder einen Musikordner per Drag'n Drop in das Programmfenster ziehen. Dann alle Songs markieren (STRG+A markiert alles) und über die rechte Maustaste "ReplayGain » Scan Per-File Track Gain" auswählen, bzw. "Scan Selection as Album" für die Albumanpassung.
Über das ReplayGain-Menü lassen sich die ReplayGain-Information auch wieder komplett entfernen oder bearbeiten. Und wie bereits erwähnt, besteht mittels "Apply Track/Album ReplayGain to MP3 Data" zusätzlich die Möglichkeit, Lautstärkeänderungen direkt auf MP3-Dateien anzuwenden, so dass auch tragbare MP3-Player damit zurecht kommen.
Anschließend berechnet foobar2000 die Referenzlautstärke für alle markierten Titel und zeigt ein Fenster mit den Korrekturwerten an. Diese sind mit "Update File Tags" zu übernehmen.
Natürlich muss foobar2000 wissen, ob der Hörer bei der Wiedergabe Track-Gain oder Album-Gain bevorzugt. Wer seine Musiksammlung querbeet hört, dürfte Track-Gain bevorzugen. Zur entsprechenden Einstellung geht es über "File » Preferences" oder STRG+P. Unter "Playback" sind der Modus (Track/Album) sowie "Apply Gain and prevent Clipping ..." zur Aktivierung einzustellen:
3. ReplayGain mit Winamp
Auch Winamp bietet seit Version 5.32 eine ReplayGain-Unterstützung. Das heisst, Audiodateien werden analyisiert, mit ReplayGain-Informationen versehen und zukünftig mit einheitlicher Lautstärke abgespielt.
Praktisch: Erfolgt die ReplayGain-Analyse mit Winamp, funktioniert die Wiedergabe mit angepasster Lautstärke natürlich auch mit foobar2000 oder anderen Playern, die ReplayGain beherrschen. Umgekehrt trifft das gleiche zu. Andere Player ignorieren die ReplayGain-Informationen einfach, sofern keine "feste" Anpassung mit MP3Gain vorgenommen wurde.
Zur ReplayGain-Analyse mit Winamp wird ein Titel, Album oder eine Titelauswahl mit der rechten Maustaste angeklickt. Es erscheint ein Kontextmenü, wo mit "Senden an » Wiedergaberlautstärke berechnen" die Analyse gestartet wird. Zum Abschluss erscheint ein Fenster mit den Korrekturwerten. Sie können entweder als Album- oder Track-Gain gespeichert werden, wobei Album-Gain auch immer den Wert für Track-Gain mitspeichert.
Die ReplayGain-Informationen einer Musikdatei können später übrigens bei den Dateinformationen unter "Lautstärke" eingesehen werden. Einen Titel markieren und ALT+3 drücken führt direkt dorthin.
Damit die Lautstärkeanpassung bei der Wiedergabe mit Winamp auch berücksichtigt wird, muss sie noch aktiviert werden. Das geschieht in den Winamp-Einstellungen (STRG+P) unter "Allgemeine Einstellungen » Wiedergabe » Lautstärkeanpassung". Dort ist zunächst das Feld "Lautstärkeanpassung nutzen" anzuhaken und der Vestärkermodus "Lautstärkeanpassung / Übersteuern verhindern" auszuwählen. Wer seine Musiksammlung querbeet hört, dürfte als "Bevorzugte Quelle "Track"-Gain bevorzugen, andernfalls "Album"-Gain.
Wird Album-Gain bei der Wiedergabe bevorzugt, doch der aktuelle Titel hat nur Track-Gain-Informationen gespeichert, werden diese verwendet. Das lässt sich bei Bedarf abschalten, wenn "Deaktivieren, wenn bevorzugte Quelle nicht verfügbar ist" angehakt wird.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Referenzlautstärke für ReplayGain unter dem Niveau aktueller Audio-CDs liegt. Damit bei der gemischten Wiedergabe von Titeln mit und ohne ReplayGain-Information keine allzu großen Unterschiede herrschen, lassen sich alle ReplayGain-freien Songs um einen festen Wert in der Lautstärke anpassen. In der Praxis haben sich -6.0 dB als brauchbarer Wert erwiesen. Grundsätzlich ersetzt dies jedoch keine ReplayGain-Analyse, das heisst die gemischte Wiedergabe stellt keine optimale Lösung dar.
Und nun viel Spass fernab vom Lautstärkeregler!
Wenn Sie Hinweise oder Fragen haben, sind Sie im MPeX.net-Forum am richtigen Platz!