Eigene Musikmixe für das Autoradio oder den portablen MP3-Player haben schnell einen Schönheitsfehler: Sobald auch Einzeltitel einer Live-CD enthalten sind, stören die Titelwechsel, da sie meist mitten im Applaus einsetzen und enden. Doch auch für MP3-Mitschnitte vom Radio oder MP3-kodierte Aufnahmen portabler Player bietet sich ein Feinschliff der Trackgrenzen an.
Das Zauberwort heisst "Fading", also sanftes Ein- und Ausblenden der Titel. Mit einem Wave Editor ist das kein Problem. Doch erfordert diese Lösung das Dekodieren und erneute Kodieren der MP3 Dateien, was Qualitätsverluste nach sich zieht. Zum Glück bietet das MP3 Format einige Möglichkeiten, Dateien auch ohne den Umweg über das Wave Format zu bearbeiten.
Ein praktisches Tool ist MP3Trim, das in der Freewareversion jedoch eine Längenbeschränkung hat. Daher greifen wir zum Schweizer Messer für direkte MP3-Bearbeitung und zeigen euch in dieser Kurzanleitung, wie Titel oder Aufnahmen
mit mp3DirectCut ein- und ausgeblendet werden.
Das kostenlose Programm findet ihr in unserem Softwarebereich zum Herunterladen.
Auch die
Gesamtlautstärke eines Titels oder einer Aufnahme ist einen Blick wert. Für Musik empfiehlt sich MP3Gain (siehe Anleitung). Doch für einen zu leise mitgeschnittenen Vortrag bietet sich auch die automatische Lautstärkenormalisierung in mp3DirectCut an.
Mit "Datei » Öffnen" oder "STRG+O" wird die zu bearbeitende Datei in den Editor geladen.
Das Bearbeitungsfenster zeigt vier Hauptbereiche: MPEG-Anzeige, Navigieren, Bearbeiten und Vorhören. Die MPEG-Anzeige (blaue Balken) orientiert sich an der Lautstärke. So sind Pausen/Stille in der Aufnahme leicht erkennbar.
Tipp: Mit +/- im Zehnerblock der Tastatur lässt sich die Balkenhöhe verstellen, falls Passagen mit sehr niedrigem Pegel mal "verschluckt" werden.
Mit dem Scrollbalken navigiert man durch die Datei, mit »Play« wird die aktuelle Ansicht abgespielt.
2. BEREICHE FÜR BLENDEN MARKIEREN UND VORHÖREN
Blenden erfolgen normalerweise zu Beginn und am Ende einer Aufnahme.
Um den Bereich für die Blende zu markieren, navigiert man mit dem Scrollbalken oder den Pfeiltasten durch die Datei und hört mit »Play« vor. Zur Feinabstimmung setzt man mit der linken Maustaste eine Marke, die als blauer Balken in der MPEG-Anzeige erscheint.
Ein Klick auf " =>|.. " spielt ein paar Sekunden vor der Marke bis zur Marke ab, " ..=>| " entsprechend ein paar Sekunden dahinter.
Mit diesen Vorhörfunktionen und der linken Maustaste klickt man sich dann gezielt zur gewünschten Position.
Um einen Bereich ein- oder auszublenden, muss er markiert werden. Dies geschieht mit einem Linksklick für die erste Position und Rechtsklick für die zweite Position der Markierung.
Ebenfalls möglich: Markierungen durch Ziehen mit gedrückter linker Maustaste.
Da die erste Position im Beispiel schon markiert ist (durch eine hellblaue Linie), fehlt noch die zweite Position. Für eine Einblendung zu Beginn des Titels reicht es nun aus, mit der rechten Maustaste in den braunen Bereich am Beginn der Datei zu klicken.
Markierungen am Ende oder inmitten eines Titels erfolgen nach dem gleichen Prinzip.
Die Markierung wird hellblau hinterlegt und kann mit den Vorhörfunktion bzw. kontrolliert werden. In der Abbildung sind ca. 3 Sekunden direkt am Titelbeginn markiert
3. EINFACH PRAKTISCH: DIE EINFACHE BLENDE
Meist sollen Titel zu Beginn oder am Ende ein- bzw. ausgeblendet werden. Mp3DirectCut bietet hier eine praktische Funktion: Die einfache Blende erkennt selbständig, ob man einen Bereich vor oder nach der Titelmitte markiert hat und entscheidet selbständig, ob ein- oder auszublenden ist.
Ist der gewünschte Bereich markiert, wird die Blende
STRG+F erzeugt. Alternativ findet sich die Funktion auch im Menü "Bearbeiten":
Fertig! Der geänderte Bereich ist nun braun hinterlegt. Anhand des Vergleichs mit der MPEG-Anzeige zu Beginn der Aktion ist Bearbeitung auch optisch gut erkennbar.
4. ALTERNATIVE: DIE PEGELANPASSUNG
Sollen Bereiche innerhalb eines Titels, also nicht am Beginn oder Ende, geblendet werden, hilft die Pegelanpassung. Dazu wird wiederum der gewünschte Bereich markiert und anschließend ein- oder ausgeblendet. STRG-G ruft das Pegelmenü auf, es befindet sich wie im Menü "Bearbeiten".
Die beiden Regler bestimmen die relative Lautstärkeänderung der Markierung. Für einfaches Fading muss lediglich oder vorgewählt und mit bestätigt werden.
Wie man sieht, lassen sich hier auch gezielte Änderungen der Lautstärke vornehmen oder markierte Bereiche "Stummschalten".
5. DATEI SPEICHERN
Mp3DirectCut nimmt die Änderungen nicht sofort vor, sondern speichert sie zunächst in einer Art Logbuch. Erst beim Abspeichern wird die MP3-Datei verändert. Mit "
Alles speichern..." oder "
STRG-W" speichert mp3DirectCut die Änderungen fest ab. Die Originaldatei sollte man sicherheitshalber nicht überschreiben.
6. BEI BEDARF: GESAMTLAUTSTÄRKE ANPASSEN
Angenommen, die Rede des Karnevalspräsidenten wurde mit dem tragbaren MP3-Player aufgenommen. Sie ist ein wenig leise geraten, also soll die Gesamtlautstärke angehoben werden. Völlig untersteuerte Aufnahmen lassen auf diese Weise aber nicht retten, da auch die Nebengeräusche mit angehoben werden.
Mit STRG+M oder "
Pegel normalisieren" im Menü "Bearbeiten" bringt mp3DirectCut die Lautstärke automatisch auf den höchsten Wert, der ohne Übersteuerungen möglich ist:
In diesem Beispiel wurde ein Wert von +9 dB ermittelt. Mit OK wird die Anpassung übernommen. Beim Abspeichern wird die MP3-Datei verändert.
Der geänderte Bereich, also in diesem Fall die gesamte Rede, wird nun braun statt blau dargestellt. Außerdem zeigt ein kleines Fähnchen die vorgemerkte Änderung an.
Tipp: Durch direktes Hoch- oder Herunterziehen mit der Maus, kann die Lautstärke direkt am Fähnchen korrigiert werden. Erfahrene mp3DirectCut-Benutzer ändern so gezielt einzelne Abschnitte oder führen nicht lineare Blenden durch.
Viel Erfolg beim Faden und mit mp3DirectCut !
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