Die Qualität verschiedener Audioformate und Kodiereinstellungen wird oft heiss und emotional diskutiert. Meist geht es darum, ob Unterschiede zum CD-Original hörbar sind. Auch Medien oder Downloadportale formulieren gerne qualitative Vergleiche im Zusammenhang mit verlustbehafteten Audio Codecs wie MP3, WMA, AAC oder Ogg Vorbis. Wir zeigen euch, wie es mit einem doppelten Blindhörtest gelingt, seine eigenen Rückschlüsse zu ziehen.
Der ABX-Test ist eine einfache Form des Blindhörtests, der psychologische Einflüsse beim Hörvergleich minimiert. Mit diesem Verfahren lässt sich statistisch nachweisen, ob zwischen zwei Audiodateien ein Unterschied hörbar ist. Nicht mehr und nicht weniger.
Am Beispiel der vielzitierten "CD-Qualität" bedeutet dass: Ist eine komprimierte Audiodatei per Hörtest von der CD-Originaldatei zu unterscheiden, dann liegt keine CD-Qualität vor. Man spricht hier auch von fehlender Transparenz.
Natürlich dürfen persönliche ABX-Ergebnisse nicht überinterpretiert werden. Wenn Person A ein MP3 mit 128 kb/s nicht mehr vom Original unterscheiden kann, heisst das noch lange nicht, dass MP3 hier grundsätzlich transparente Resultate liefert. Bei Person B oder einer anderen Testdatei können die Ergebnisse anders ausfallen.
Mit ein paar Testdateien und Testhörern kann man aber bereits recht zuverlässige Aussagen über die Transparenz verschiedener Audioformate bei unterschiedlichen Einstellungen ableiten. Wir stellen euch hier den einfachen ABX-Test mit foobar2000 vor. Für größer angelegte Hörtests, in denen es nicht allein um Transparenz geht, gibt es ausgefeiltere Methoden (z.B. mit dem ABR/HR-Tool), die aber entsprechend aufwendiger sind.
Tipp: Den Hörtest solltet ihr ohne störende Nebengeräusche durchführen. Am besten eignet sich ein gepolsterter Kopfhörer an der Soundkarte.
Für den ABX-Test gibt es verschiedene Programme. Sehr gut geeignet ist foobar2000, das ihr in unserer Softwaresektion herunterladen könnt. Der so genannte ABX Comparator muss während der foobar-Installation angewählt sein.
2. TESTDATEIEN ERSTELLEN
Um zu prüfen, wie gut das eigene Gehör komprimierte Audiodateien vom CD-Original unterscheiden kann, kopiert man Songs von einer Audio-CD auf den Rechner: Einmal im komprimierten Format, z.B. MP3 und einmal unkomprimiert als WAV. In unserem Infocenter gibt es Anleitungen zum Auslesen einer Audio-CD (z.B. mit EAC). Die WAV-Datei aus dem MP3 zu erstellen macht natürlich keinen Sinn!
Es gibt auch spezielle Testdateien. Sie werden gerne verwendet, um bestimmte Schwachstellen von Kompressionsverfahren zu prüfen oder zu verdeutlichen. Mit den richtiges Samples lässt sich praktisch jedem verlustbehafteten Audiocodec ein Bein stellen. Die Verwendung dieser Samples verlangt also etwas Vorwissen und taugt nicht für pauschale Qualitätsurteile (Quellen: hier oder hier)
3. TESTDATEIEN VORBEREITEN
Zunächst fügen wir unsere Testkandidaten in die foobar-Playliste ein. Das geht über das Menü "File » Add Files...". Anschließend werden beide Titel markiert. Dazu einfach STRG auf der Tastatur gedrückt halten und mit der linken Maustaste jeden Titel anklicken, bis beide farblich hinterlegt sind.
Ein Klick mit der rechten Maustaste auf die markierten Titel öffnet ein Kontextmenü, wo "Utils » ABX Two Tracks ..." anzuwählen ist, wie es die folgende Abbildung zeigt.
Es ist wichtig, dass die beiden Testdateien die gleiche Lautstärke haben, weil lautere Passagen im Vergleich oft subjektiv als "besser" empfunden werden. Haben beide Dateien die gleiche Quelle, so wie im Beispiel, ist die Lautstärke gleich.
Sollen für den Hörvergleich eventuell vorhandene ReplayGain-Information zur Lautstärkeanpassung oder beispielsweise ein Resampler oder Equalizer berücksichtigt werden, lässt sich das im folgenden Dialog aktivieren. Standardmäßig ist es deaktiviert.
Der Dialog weist auch daraufhin, dass foobar2000 für den ABX-Test zwei temporäre Testdateien erstellt, die nach dem Test wieder automatisch gelöscht werden. Die temporären Dateien sind unkomprimiert, d.h. es sollten noch ein paar hundert MB Festplattenplatz vorhanden sein, je nach Titellänge.
Nach dem OK bereitet foobar2000 die Dateien vor. Das kann je nach Titellänge eine Weile dauern.
4. ABX-TEST
Nun folgt der spannende Teil der Reise, der ABX-Text. Es öffnet sich das "ABX comparator" genannte Anwendungsfenster:
Position/Range
Bei langen Titeln ist es sinnvoll, eine oder mehere kurze Passagen zu untersuchen. Wie bei einem normalen Player gibt es einen Schieberegler für die Titelposition. Mit einem Klick auf einen der Wiedergabeknöpfe weiter oben (z.B. "Play A") hört man sich durch das Stück und setzt die gewünschten Start- und Endmarken ("Set start" / "Set end"), "Reset" löscht die Markierungen.
Playback / Choice
Der ABX Comparator würfelt nun die Testdateien durcheinander.
Wir wissen nur: A und B sind unsere beiden Testdateien, X und Y sind Kopien.
Wir wissen aber nicht: Ist X eine Kopie von A oder von B? Das gleiche gilt für Y.
Mit einem Klick auf "Play A/B/X/Y" werden die jeweiligen Titel bzw. Kopien abgespielt.
Jetzt heisst es genau hinhören! Die vier Testdateien sind solange durchzuhören, bis man sich sicher ist, dass A entweder gleich X oder gleich Y ist. Angenommen wir sind uns sicher: X=A und B=Y, dann wählen wir diese Kombination unter "Choice" aus und gehen mit "Next trial" in die nächste Runde.
Nun geht das Spiel wieder von vorne los, d.h. die Testdateien wurden wieder durcheinander gewürfelt und erneut ist A und B die jeweilige Kopie zuzuordnen.
Nach jedem Durchgang wird im "Status"-Bereich das Zwischenergebnis angezeigt. "Score: 10/10" bedeutet z.B., dass nach 10 Durchgängen in 10 Fällen Original und Kopie richtig zugeordnet wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ergebnis durch Raten zustande kommen kann, liegt entsprechend bei 0,1%.
In unserem Beispiel bedeutet das: Es ist statistisch belegt, dass unser Gehör das MP3 immer vom CD-Original unterscheiden konnte.
Jetzt könnte man eine Testdatei mit anderen Kompressionseinstellungen nehmen oder beispielsweise ein anderes Audioformat wählen. Ob sich eine Testdatei im Format Ogg Vorbis oder AAC mit ähnlicher Dateigröße besser schlägt?
Im folgenden Fall sieht die Sache anders aus: Hier wurden die Pärchen nur in 10 von 16 Fällen richtig zugeordnet. Das ist zwar mehr als die Hälfte der Versuche, statistisch gesehen liegt die Rate-Wahrscheinlichkeit hier aber sehr hoch.
Es ist also nur schwer ein Unterschied zum Original feststellbar. Zur Sicherheit sollte eine weitere Passage aus der Testdatei geprüft werden bzw. ein ganz anderes Stück.
Beim Verlassen des ABX-Comparators kann man noch eine Logdatei mit dem Testverlauf und Testergebnis speichern.
Viel Spass beim ABX'en! Für Fragen und Anregungen ab ins MPeX.net Forum!